Kommentar

Ein Schild mit der Aufschrift "Angeklagte Zschäpe" im Gerichtssaal in München  | Bildquelle: dpa

Kommentar zum NSU-Prozess Seziert mit feinem Skalpell

Stand: 25.07.2017 18:25 Uhr

Das bisherige Plädoyer der Bundesanwaltschaft im NSU-Prozess seziert das Leben der Angeklagten Beate Zschäpe mit feinem Skalpell, meint Holger Schmidt. Doch zum Auftakt der Schlussvorträge wurde klar, dass das Plädoyer auch jenseits der Verteidigung für Widerspruch sorgen wird.

Von Holger Schmidt, SWR

Wenn der Staatsanwalt das Wort zum Schlussvortrag ergreift, hat der Angeklagte selten Gutes zu erwarten. So ging es auch Beate Zschäpe im NSU-Prozess - aber hat sie das gemerkt? Äußerlich wirkte sie heiter und unbeschwert, notierte sich gelegentlich etwas, wirkte aber nicht so, als wenn es um ihre Zukunft ginge. Sie wird wissen, warum sie sich so präsentierte.

Mit einem großen Interesse, so wie ein Biologe eine ganz besonders seltene Art betrachtet, schien Zschäpe die Frau zu mustern, die ihr direkt gegenüber stand - und das Plädoyer für den Generalbundesanwalt hielt. Oberstaatsanwältin Annette Greger war schon während des Ermittlungsverfahrens und dann auch in der Hauptverhandlung für Zschäpe zuständig. Deswegen war es auch Greger, die heute nach einleitenden Worten ihres Chefs, Bundesanwalt Herbert Diemer, den Tatbeitrag von Zschäpe Stück für Stück würdigte.

Langsam und gründlich

Die Oberstaatsanwältin tat das langsam und gründlich und kam deshalb in den ersten drei Stunden des Plädoyers auch nicht viel weiter als bis zum Ende der 1990er-Jahre, als Zschäpe mit Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos in den Untergrund gingen. Aber schon in diesen ersten Stunden wurde deutlich, wie groß das Puzzle ist, das in mehr als vier Jahren NSU-Prozess aus Tausenden einzelner Indizien und Zeugenaussagen gelegt wurde.

Beschreiben kann man das gut mit dem Namen Ali. Er habe Zschäpe und den beiden Uwes als Synonym für verhasste Türken gestanden, erläuterte Greger. Sie beschrieb dann, wie der Name zunächst in einem Gedicht des Trios Mitte der 1990er-Jahre in Jena auftauchte und dann in der Geschichte der Gruppe immer wieder - bis hin zu Dateinamen auf Festplatten und dem Bekennervideo des NSU.

Mag es in den vergangenen vier Jahren manchmal so ausgesehen haben, als sei der NSU-Prozess unendlich und verliere sich in Details, so konstruierte Greger eben aus diesen Kleinigkeiten ihr Bild.

Schluss-Plädoyer im NSU-Prozess beginnt
tagesschau 17:00 Uhr, 25.07.2017, Mira Barthelmann, BR

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Deutliche Erkenntnisse

Sie kam dabei zu deutlichen Erkenntnissen: Das Trio sei mit einem strengen Plan und deutlicher Arbeitsteilung vorgegangen. Zschäpe sei die "Tarnkappe" gewesen, die nach außen gegenüber Nachbarn und Bekannten das normale Leben simulierte. Ihre vermeintliche Abkehr, die Zschäpe umständlich über ihre Anwälte äußerte, sei nicht glaubwürdig. Zum Beispiel, weil es unbeschwerte Urlaubsfotos des Trios gebe, die nur wenige Tage nach dem furchtbaren Sprengstoffanschlag in der Kölner Keupstraße gemacht wurden - von dem Zschäpe vorher nichts gewusst und den sie hinterher strikt verurteilt haben will.

Viele Prozessbeobachter können dem zustimmen. Das bisherige Plädoyer seziert das Leben Zschäpes mit feinem Skalpell. Doch schon in den ersten drei Stunden wurde auch klar, dass das Plädoyer auch jenseits der Verteidigung für Widerspruch sorgen wird.

Julian von Löwis, BR, mit aktuellen Informationen zum Beginn des Schluss-Plädoyers
tagesschau24 15:00 Uhr, 25.07.2017

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Höchst umstrittene These

Bei den Nebenklägern höchst umstritten dürfte beispielsweise Gregers These sein, dass weder der Verfassungsschutz-V-Mann Tino Brandt noch das Geld des Verfassungsschutzes, das über Brandt in den 1990ern nachweislich in die thüringischen Neonazi-Szene geflossen ist, maßgeblich zur Radikalisierung der Gruppe beigetragen hätte. Folgt man diesem Gedanken allerdings, macht das die Sache für Zschäpe nur noch schlimmer. Und wir sind erst am Anfang des Plädoyers.

Wenn die Zeitprognosen der Staatsanwälte zutreffen, ist allenfalls das erste Siebtel des Schlussvortrags erfolgt. Es bleibt noch eine Menge Zeit - auch für Zschäpe, über ihre Situation nachzudenken. Und über den Satz von Bundesanwalt Diemer, die Taten des NSU seien die infamsten Anschläge in Deutschland seit den Taten der RAF gewesen. Viele Täter der RAF saßen Jahrzehnte in Haft.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion wieder.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. Juli 2017 um 15:00 Uhr.

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Holger Schmidt, SWR

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