Kommentar

Kommentar zu Yücel Wir lassen uns nicht mundtot machen!

Stand: 28.02.2017 11:41 Uhr

Wer mich kritisiert, muss mit Haft rechnen: So die Botschaft des türkischen Präsidenten Erdogan an Journalisten. Mit dem Fall Yücel greift er gezielt die Arbeit deutscher unabhängiger Medien an. Die werden wir verteidigen.

Ein Kommentar von Christian Nitsche, tagesschau

Wir lassen uns nicht einschüchtern! Schon gar nicht von der autoritären politischen Führung der Türkei, die zum Ausbau ihrer Macht demokratische Prinzipien beiseite wischt. Durch die Anordnung von Untersuchungshaft für "Welt"-Journalist Deniz Yücel wird die freie Berichterstattung weiter kriminalisiert.

Der selbstherrliche Präsident Erdogan, der aus der türkischen Justiz politische Vollstrecker gemacht hat, nimmt sich nach den türkischen Medien nun noch gezielter die ausländische Presse vor. Sie soll wissen: Wer mich kritisiert, ist Terror-Sympathisant. Jahrelange Haft auf engstem Raum kann die Folge sein.

Wie Staatsfeinde behandelt

Erdogan möchte zügig sein Ziel erreichen, ein Präsidialsystem einzuführen, das ihm eine noch stärkere Kontrolle über staatliche Instanzen verschafft. Journalisten, die diesen Kurs hinterfragen, auf die Unterdrückung der Opposition und Medien aufmerksam machen, Erdogans Entdemokratisierung thematisieren - sie werden wie Staatsfeinde behandelt.

Diktatorische Züge

Erdogan zeigt schon länger diktatorische Züge. Billigt die türkische Bevölkerung ihm in wenigen Wochen per Referendum einen weiteren Ausbau seiner Macht zu, so entledigt sie sich weitgehend ihres Einflusses auf das Handeln der Regierung. Es wäre die Selbstentmachtung eines bereits unterdrückten Volkes.

Mit Deniz Yücel ist die unabhängige Arbeit deutscher Medien angegriffen. Diese gilt es zu verteidigen. Wir lassen uns nicht mundtot machen und werden weiter unsere journalistische Aufgabe erfüllen: Zeigen, was ist. Ohne Umschweife, ohne Angst!

Redaktioneller Hinweis

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Februar 2017 um 09:00 Uhr.

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