Kommentar

Das Klöckner-Wolf-Papier Pure Panik und nackte Verzweiflung

Stand: 22.02.2016 12:59 Uhr

Sie kämpfen gegen den Abwärtstrend - doch die CDU-Wahlkämpfer machen mit ihrem Anti-Merkel-Papier alles nur noch schlimmer. Eine zerstrittene Union mögen konservative Wähler nämlich gar nicht. SPD und Grüne freut's.

Ein Kommentar von Mathias Zahn, ARD-Hauptstadtstudio

Bei den CDU-Wahlkämpfern in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz muss die nackte Panik herrschen. Anders ist das Klöckner-Wolf-Papier vom Wochenende nicht zu erklären. Julia Klöckner sieht in Rheinland-Pfalz ihren sicher geglaubten Vorsprung vor der SPD dahinschmelzen. Guido Wolf taumelt sogar hilflos auf eine Katastrophe zu. Die CDU könnte am Wahlabend hinter den Grünen landen. Die Grünen als stärkste Kraft in Baden-Württemberg: Allein dass so etwas möglich erscheint, ist für die Landes-CDU schon ein Desaster.

Klöckner und Wolf stellen sich also in ihrer Verzweiflung gegen die Kanzlerin und fordern tagesaktuelle Kontingente. Nicht mehr jeden reinlassen, sondern Geflüchtete verstärkt abweisen. Österreich wird als das leuchtende Vorbild gelobt.

Einfach mal die Klappe halten

Dass dieses durchsichtige Wahlkampfmanöver nach hinten losgeht, war abzusehen. Angela Merkel wird die Grenzen nicht dichtmachen. Österreich ein Vorbild? Nicht für die Kanzlerin. Ihren Innenminister lässt Merkel eine Warnung nach Wien schicken, Flüchtlinge nicht einfach nach Deutschland weiterzureichen. Und Unionsfraktionschef Kauder empfiehlt den Papiere-schreibenden Wahlkämpfern in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz: Einfach mal die Klappe halten.

Klöckner und Wolf haben nur eins erreicht: Die Union steht wieder einmal als zerstritten da, was konservative Wähler so gar nicht mögen. Die SPD nutzt den strategischen Fehler sofort und macht aus Klöckner und Wolf die Spalter. Und der grüne Ministerpräsident Kretschmann gibt einmal mehr den Polit-Buddha und treuen Merkel-Unterstützer. Die Situation ist für die CDU-Wahlkämpfer zum Verzweifeln. Weder die Nähe noch die Distanz zur eisernen Flüchtlingskanzlerin bringt etwas im Kampf gegen den Abwärtstrend. Und so wird auch das Papier der Härte Klöckner und Wolf mehr schaden als nutzen.

Kommentar zum Klöckner-Wolf-Papier: Durchsichtiges Wahlkampfmanöver
M. Zahn, ARD Berlin
22.02.2016 11:49 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. Februar 2016 um 12:00 Uhr.

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