Kommentar

Produktionsstraße eines Autowerks | Bildquelle: dpa

Verbrennungsmotoren Denkt an Jobs, nicht an Motoren

Stand: 18.07.2017 16:06 Uhr

Kaum sprechen die Grünen ihr Ziel vom Verbot des Verbrennungsmotors aus, riecht die Autolobby Gefahr und gibt eine Studie in Auftrag. Ihr Fazit, das koste Jobs, sei zwar nicht verkehrt, meint Jörg Pfuhl. Ändern wird das am sicheren Ende des Verbrennungsmotors nichts.

Von Jörg Pfuhl, NDR

Es ist gerade mal einen Monat her, dass die Grünen beschlossen haben, bis 2030 aus allem auszusteigen: aus der Massentierhaltung, aus Kohlekraftwerken und aus dem Verbrennungsmotor. In Erinnerung geblieben ist den meisten Menschen davon vermutlich nur die Schimpftirade des grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann gegen die eigene Partei: "Wie kann man nur so ein Zeug verzapfen", erregte sich der heimlich gefilmte Schwabe über solche "Schwachsinnstermine".

Und auch die SPD setzte sich ganz fix vom grünen Parteitagsbeschluss ab: "Ein Verbot schon bis 2030 würde in einem Koalitionsvertrag mit uns keinen Platz haben", so Generalsekretär Hubertus Heil. Grüne Parteitagslyrik also, folgenlos?

Die alte grüne Vorliebe fürs Verbot

Der Verband der Automobilindustrie weiß es besser. Die Autolobbyisten riechen die Gefahr. Sie halten sie für so brennend, dass sie eine teure Studie beim ifo-Institut in Auftrag gaben. Und die Wissenschaftler liefern das gewünschte Ergebnis: 2030 ist viel zu früh, 2030 kostet Hunderttausende Jobs, 2030 ist auch gar nicht nötig, so ihr Fazit.

Ganz verkehrt ist das Verdikt der Ökonomen nicht. Wer für die Umwelt etwas erreichen will, der soll Klimaziele setzen - und nicht irgendeine Technik verbieten. Da zeigt sich nur die alte grüne Vorliebe fürs Verbot, vorzugsweise von allem, was Spaß macht. Richtig ist ebenfalls, dass auch Elektroautos keine wirklich saubere Sache sind. Ihre Batterien sind giftige Chemiewerke mit immensem Verbrauch an Wasser, Energie und seltenen Rohstoffen.

Das Ende des Verbrennungsmotors kommt ohnehin

Auf der anderen Seite: Die Automobilindustrie hat noch nie etwas freiwillig gemacht, wenn sich damit kein Geld verdienen lässt. Vom Katalysator bis zum Partikelfilter - immer hieß es: geht nicht, bringt nichts, ist zu teuer. Am Ende geht es doch, ist bezahlbar und bringt eine ganze Menge.

Und das ist wohl auch der gesellschaftliche Nutzen der von der Industrielobby bezahlten neuen Studie: Das Ende des Verbrennungsmotors kommt ohnehin. Der größte Automarkt der Welt, China, läutet den Abschied gerade ein: Die ansteigenden Elektroquoten, die Chinas Politik auch den deutschen Autokonzernen vorschreibt, sind ja nichts anderes als ein schrittweises Verbot des Verbrennungsmotors.

In Deutschland haben wir mit der ifo-Studie nun eine wissenschaftliche Grundlage, wie viele Jobs dieser Umstieg kosten wird: vermutlich mehr als eine halbe Million. Denn Elektroautos brauchen keine Kolben, keine Getriebe, keine teure Abgasreinigung. Abgesehen von der Batterie sind sie simpel, ein Produkt von der Stange. Heute und morgen mögen wir noch über ein Fahrverbot für Dieselautos auf einzelnen Straßen diskutieren. Mit Blick auf übermorgen täten wir besser daran, über neue Arbeitsplätze für mehr als eine halbe Million Menschen nachzudenken.

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Über dieses Thema berichteten am 18. Juli 2017 die tagesschau um 12:00 Uhr, tagesschau24 um 12:30 Uhr in der Wirtschaft und NDR Info um 17:08 Uhr.

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