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Von Ralph Sina, WDR-Hörfunkstudio Washington
[Bildunterschrift: "Early Voting" bei Ft. Lauderdale in Florida ]
Der Gewinner der US-Wahl 2008 steht bereits heute fest. Es sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Denn der scheinbar endlose Kampf vor dieser Wahl war nicht nur der längste und kostspieligste in der US-Geschichte. Dieser Wahlkampf war vor allem der inspirierendste und elektrisierendste seit Mediengedenken. Er war die beste Medizin, die sich das unter dem Bush-Virus leidende Amerika selber verabreichen konnte.
Ein Land ist aus einem Albtraum erwacht und entdeckt sich neu. Tief sitzende Vorurteile, Rassen- und Klassenschranken wurden über Nacht buchstäblich hinweggefegt. Selbst große Namen waren plötzlich Schall und Rauch. Hillary Clinton hat das trotz ihres atemberaubend ausdauernden Vorwahlkampfes leidvoll erfahren. Hillary, die Inkarnation des weißen aufgeklärten Establishments. Die First Lady der Demokraten, die sich bereits erneut im Weißen Haus wähnte, wurde von einem Afroamerikaner entthront, dessen Name vielen US-Bürgern noch vor einem Jahr allenfalls flüchtig vertraut war. Allein das ist ein unglaublicher Vorgang - befreiend für die Demokraten, befreiend für die Demokratie namens Amerika. Und gleichzeitig schon längst wieder Wahlkampfgeschichte.
Barack Obama hat die Geschichte dieses Wahlkampfes geschrieben. Er gab mit seinen Parolen "Change" und "Yes, we can" den Ton an, den seine Konkurrenten allenfalls zweit -und drittklassig imitierten. Obamas Charisma, Intelligenz und Integrität, gepaart mit einem fast beängstigenden Spendenaufkommen, unzähligen TV-Spots und einer perfekten Wahlkampfstrategie, haben ihm eine Stärke verliehen, gegen die anzukommen selbst für den Vietnam-Kriegshelden John McCain fast unmöglich ist.
Der weiße Ex-Marinepilot McCain aus der großen uramerikanischen Militärfamilie ist am Ende des Wahlkampfes in der Rolle des Underdogs. Und das in dem patriotischen Amerika, das so stolz auf seine Kriegshelden ist.
"I have a dream", rief Martin Luther King, der große Bürgerrechtler und ermordete Führer der schwarzen Bewegung, einst auf den Stufen des Kapitols zu Washington. Aber von einem solchen vergleichsweise fairen Wahlkampf mit einem solchen schwarzen Superstar hätte selbst King nicht zu träumen gewagt. Noch nie haben sich so viele US-Amerikaner für eine Präsidentschaftswahl registrieren lassen. Noch nie haben so viele Arbeiter, Angestellte und Studenten ihren knappen Urlaub geopfert, um sich im Wahlkampf zu engagieren.
Die USA haben in diesem Wahljahr wieder den Glauben an sich selbst gewonnen. Sie werden ihn dringend brauchen, um das verheerende Erbe der Ära Bush zu bewältigen.
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