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Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Südasien
Die Ehe zwischen den USA und Pakistan ist zerrüttet - schon länger. Zyniker hatten ja ohnehin seit Jahren von einer Zwangsheirat, weniger von einer Liebesheirat gesprochen. Und wenn es dafür noch eines Beweises bedurft hätte, dann hat Pakistan den jetzt geliefert. Der Bonn-Boykott kommt dem öffentlichen Bekenntnis einer Trennung gleich - zumindest einer zeitweisen. Für Deutschland ist das eine bittere Nachricht - für Afghanistan allerdings ist das eine Katastrophe.
Seit Jahren spricht Afghanistans Präsident Hamid Karsai davon, dass sein Land und der Nachbar Pakistan wie siamesische Zwillinge seien. Zwangsweise aneinandergeschweißt - genau das gilt auch für deren Schicksal. Nicht umsonst ist immer wieder von "AfPak" die Rede: wenn "Pak" nicht mitspielt, kann "Af" nicht zur Ruhe kommen.
Insofern ist der tödliche NATO-Angriff vom Wochenende gleich in doppelter Hinsicht verheerend gewesen: Er hat sinnlos Menschenleben zerstört. Und gleichzeitig auch die Hoffnungen, mit der Bonn-Konferenz dem Frieden in der Region einen - wenn auch noch so kleinen - Schritt näherzukommen.
Der Sicherheitsberater der afghanischen Regierung, Rangin Dadfar Spanta, ist immer für ein paar markige Sätze zu haben. Auf Pakistan angesprochen, erklärte er im ARD-Interview vor wenigen Tagen, der Westen konzentriere sich im Grunde auf den falschen Schauplatz. "Wenn Sie die Finanzkrise in Griechenland bekämpfen wollen, gehen Sie auch nicht in die Türkei", so der Politiker wörtlich. Heißt übersetzt: Das eigentliche Problem ist nicht Afghanistan, sondern Pakistan. Natürlich lässt sich mit einer solchen Formulierung sehr komfortabel von den Problemen, die Spantas eigenes Land zweifelsohne zur Genüge aufweist, ablenken. Aber ein bisschen Recht hat der ehemalige Außenminister schon: Ohne dass Pakistan entschlossen gegen die Taliban auf seiner Seite der Grenze vorgeht, wird es beim siamesischen Zwilling Afghanistan keinen Frieden geben.
Genau diese Forderungen der Afghanen und des Westens werden nun in nächster Zeit leiser werden oder gar ganz verstummen. Pakistan - in den vergangenen Monaten und Jahren auf der Anklagebank wegen des Vorwurfs, den Terrorismus zwar in Teilen zu bekämpfen, in Teilen aber eben auch zu unterstützen - ist nun auf einmal selbst zum Ankläger geworden.
Das Problem in der Beziehung der USA zu Pakistan und mit den damit verbundenen Machtspielen ist - wie bei jeder zerrütteten Ehe - dass darunter oft die anderen am meisten leiden: In diesem Fall ist es Afghanistan. Der Westen wird hart arbeiten müssen, um zu kitten, was zu kitten ist. Denn dass Pakistan sich dauerhaft abwendet, können sich die USA und Europa nicht leisten. So schwierig die Liaison mit dem - ja, eben doch - Bündnispartner auch ist: Ohne ihn geht es überhaupt nicht. Zumindest nicht, wenn man Frieden in Afghanistan will.
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