Kommentar

Weißes Haus | Bildquelle: dpa

Trump feuert Stabschef Priebus Neue Gesichter helfen nicht

Stand: 29.07.2017 07:59 Uhr

Schon wieder ein Wechsel im Weißen Haus: Stabschef Priebus muss gehen, Ex-General Kelly kommt. Dass Trump den Neuen mag, hat der Präsident schon deutlich gemacht. Doch wird ihm Kelly auf dem politischen Parkett auch helfen können?

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

So weit ist es gekommen: US-Präsident Donald Trump glaubt, er braucht einen General, um im Weißen Haus aufzuräumen. Ein gutes halbes Jahr nach seinem Amtsantritt herrscht Chaos, verschiedene Fraktionen bekriegen sich. Statt Amerika wieder großartig zu machen, sind die Mitarbeiter des Präsidenten dabei, sich gegenseitig Knüppel zwischen die Beine zu werfen.

Besonders gut darin: der neue Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci. Er hat, was Trump mag: ein fernsehtaugliches Auftreten, Selbstbewusstsein, harte Ellenbogen - und totale Loyalität zum Präsidenten.

Schlammschlacht zwischen Teamkollegen

In den vergangenen Tagen schoss sich Scaramucci öffentlich auf Stabschef Reince Priebus ein, bezeichnete ihn als schizophren, als Paranoiker und unterstellte ihm, der Presse laufend Informationen zuzustecken. Trump griff nicht ein, sondern erfreute sich dem Vernehmen nach an dem Spektakel - um schließlich den Stabschef gehen zu lassen.

Reince Priebus war von Anfang ein schwacher Stabschef. Er hatte vorher die republikanische Partei gemanagt, hatte nur zögerlich ins Trump-Lager gefunden. Als Stabschef sollte er der Verbindungsmann des Präsidenten zum Partei-Establishment sein.

Priebus ist es nie gelungen, Trumps Mannschaft unter Kontrolle zu bekommen. Das lag in erster Linie am Präsidenten selbst. Er ließ es zu, dass Fraktionen entstanden, die um seine Gunst kämpfen. Als Scaramucci ankündigte, er berichte direkt an den Präsidenten und nicht an den Stabschef, war das Schicksal von Priebus besiegelt.

Erfahrung mit Gehorsam, nicht mit Politik

Nun soll der pensionierte General John Kelly das Weiße Haus organisieren. Trump mag ihn, daran hat er gestern keinen Zweifel gelassen. Die Frage ist aber: Gibt er Kelly die nötige Macht? Das würde bedeuten, dass selbst Präsidententochter und Schwiegersohn nicht mehr direkt in Trumps Ohr flüstern können, sondern sich zuerst mit Kelly abstimmen müssten. Undenkbar.

Kelly ist als Militär in Washington geachtet. Er kennt Befehl und Gehorsam. Erfahrung im politischen Strippenziehen hat er nicht. Kelly hat sich gerade erst in das Amt des Heimatschutzministers eingearbeitet. Da geht's um wichtige Themen für Trump: Grenzschutz, Einwanderung, Sicherheit. Es ist unverständlich, warum Trump ihn jetzt aus diesem Ministerium wieder abzieht und dort eine neue Baustelle aufmacht, anstelle sich einen erfahrenden Player im politischen Washington zu suchen, der weiß, wie man einen politischen Betrieb wie das Weiße Haus auf Linie bringt.

Chaos kommt von oben

In seiner kurzen Amtszeit hat Trump schon mehrere Schlüsselpositionen neu besetzt: Sicherheitsberater, Kommunikationsdirektor, Pressesprecher, jetzt Stabschef. Das Chaos ist geblieben - denn es kommt von ganz oben. Solange Trump sich nicht selbst diszipliniert - bei Twitter, im Umgang mit seinen Mitarbeitern, bei der Arbeit an politischen Konzepten - solange helfen neue Gesichter im Weißen Haus auch nicht.

Trump feuert Stabchef: Neue Gesichter helfen nicht
Jan Bösche, ARD Washington
29.07.2017 01:58 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Juli 2017 um 06:12 Uhr.

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