Kommentar

Syrische Flüchtlinge in Jordanien

UN-Flüchtlingspakt Eine Chance für die Welt

Stand: 17.12.2018 21:00 Uhr

Entwicklungshilfe nutzt nicht nur den Empfängern, sondern auch den Gebern. Darauf setzt der UN-Flüchtlingspakt. Deshalb kann er auch für Länder wie Deutschland von Vorteil sein.

Ein Kommentar von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Alle zwei Sekunden muss ein Mensch auf der Welt fliehen. Nicht weil er will, sondern weil er muss - weil sein Haus geplündert, sein Dorf beschossen, sein Volk massakriert oder seine Familie bedroht ist. Alle zwei Sekunden. Das ist die erste Zahl, die jeder wissen sollte, der jetzt über den UN-Flüchtlingspakt redet.

85 Prozent dieser Flüchtlinge finden anschließend Schutz und Hilfe in Entwicklungsländern. Das ist die zweite Zahl, die all jene wissen sollten, die Europa überrannt, Deutschland überfüllt und das Abendland durch Flüchtlinge bedroht sehen.

Jetzt also der UN-Flüchtlingspakt. 68,5 Millionen Menschen sind aktuell auf der Flucht, irren im eigenen Land umher oder suchen Hilfe jenseits ihrer Heimat. Das sind mehr Menschen als jemals nach dem Zweiten Weltkrieg. Auch ihnen ist dieser Flüchtlingspakt gewidmet, ihrem Schicksal, ihrem Leben, ihrer Zukunft. "Sie sollen Erfolg haben, nicht bloß überleben", nennt das der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi. Dabei weiß der Mann, dass gelegentlich das Überleben schon der eigentliche Erfolg ist.

Entwicklungshilfe nützt auch den Gebern

Viele Flüchtlinge leben heute in Ländern, die selbst bitterarm sind, die aber dennoch - wie beispielsweise Uganda - Menschen aufnehmen und helfen. Dieser UN-Flüchtlingspakt ist auch deshalb viel mehr als nur eine freundlich formulierte, unverbindliche Empfehlung. Er ist die Chance, die Aufgaben für den Schutz und die Aufnahme von Flüchtlingen besser und gerechter zu verteilen und als Gemeinschaftsaufgabe zu verstehen.

Weil die unselige Debatte über den Migrationspakt gerade erst bewiesen hat, wie groß das Verhetzungspotenzial ist, wie ausgeprägt die Lust, mit der Angst und dem Unwissen und Vokabeln wie Asyl, Drittstaatenlösung oder Umsiedlung Stimmung zu machen, hier nur der Hinweis: Der Flüchtlingspakt hilft Ländern wie Deutschland, denn Deutschland ist schon jetzt vorbildlich, wenn es um den Umgang mit Flüchtlingen geht.

Deutschland ist die Blaupause für das, was dieser Pakt jetzt von allen Staaten einfordert. Deutschland hat lange verstanden, dass - anders als US-Präsident Trump beispielsweise jemals begreifen wird - Entwicklungshilfe auch demjenigen hilft, der sie gibt. Der UN-Flüchtlingspakt nämlich setzt genau darauf, Aufnahmeländer zu stärken, Infrastruktur auszubauen und Bildungschancen vor Ort zu erhöhen.

Syrische Flüchtlinge, die in der Türkei, im Libanon, in Jordanien besser versorgt, ausgebildet, gestärkt werden, kehren möglicherweise irgendwann als Menschen in ihre Heimat zurück, die dort dann ebenfalls helfen, stärken, aufbauen.

Wem im afrikanischen Nachbarland bereits geholfen wird, der setzt sich nicht in ein Schleuserboot, um im Mittelmeer zu ertrinken oder im Idealfall in Europa sein Glück zu finden. Die Genfer Flüchtlingskonvention hat 1951 Rechte und Pflichten für Staaten und Flüchtlinge beschrieben. Der UN-Flüchtlingspakt beschreibt jetzt eine Chance. 181 Staaten haben das erkannt. Nur die USA und Ungarn stehen auf der falschen Seite. Wieder einmal.

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. Dezember 2018 um 21:00 Uhr.

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