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29.05.2012

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Kommentar: Keine Hilfe für die Helfer
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Keine Hilfe für die Helfer

Von Christina Nagel, ARD-Hörfunkstudio Moskau

Zum Jahrestag gab es viel Dank. Warme Worte und Blumen für die Lebenden, Kränze und Denkmäler für die Toten. Der ukrainische Präsident Janukowitsch betonte, dass es ohne die Liquidatoren noch viel schlimmer hätte kommen können. Denn sie waren es, die ihr Leben und ihre Gesundheit auf Spiel setzten, um den brennenden Reaktor zu löschen, ihn zu ummanteln, den strahlenden Müll einzusammeln und wegzuschaffen.

Leider können sich gerade die ukrainischen Liquidatoren von diesem Dank wenig kaufen. Genauso wenig wie von den kümmerlichen Renten und sozialen Vergünstigungen, die sie bekommen. Oder besser: noch bekommen. Denn der Staat will auch hier sparen. Drei Euro pro Jahr für Medikamente, zehn Euro für Arztbesuche. 150 Euro Rente pro Monat, das will sich die Regierung in der Ukraine künftig nicht mehr leisten. Auch wenn sie weiß, dass die Liquidatoren langsam wegsterben.

Um im Jubiläumsjahr nicht auch noch derart bestraft zu werden, mussten die Liquidatoren im März auf die Straße gehen. Und lautstark für ihre im Gesetz verankerten Rechte demonstrieren! Soviel zum Thema Wertschätzung ihrer heroischen Arbeit im Dienste der Weltgemeinschaft!

Abkehr vom Atomstrom: Fehlanzeige

Sie sind übrigens nicht die Einzigen, die der Staat gern vergessen würde. Oder bereits vergisst. Bei fast allen staatlichen Tschernobyl-Programmen wurde längst der Rotstift angesetzt. Kontrollen für radioaktiv belastete Lebensmittel gibt es kaum noch. Vorsorge-Untersuchungen bei Kindern, die in kontaminierten Gebieten leben, werden seltener. Ebenso die Sanatorienaufenthalte und Erholungsurlaube für Betroffene. Statistische Erhebungen wurden in weiten Teilen bereits eingestellt. Denn wo kein Kläger, da kein Richter.

Die offizielle Botschaft in der Ukraine ist: 25 Jahre danach ist vieles besser geworden. Und die Atomkraft natürlich sicherer. Weshalb der ukrainische Präsident Janukowitsch auch weiter auf Atomstrom setzen will. Ausstiegs-Diskussionen, das hatte er bereits im Vorfeld klar gemacht, hält er für realitätsfremd.  

Außenwirkung wichtiger als echte Wertschätzung

Realitätsfremd wirkte auf die Betroffenen etwas anderes. Das, was sich vor dem Jahrestag in der Sperrzone rund um den havarierten Reaktor abspielte: Straßen wurden frisch geteert, Bürgersteigkanten und Leitplanken neu bemalt, Bäume gefällt. In der Kleinstadt Tschernobyl wurden sogar alte, verfallene Häuser abgerissen, um Platz zu schaffen für einen neuen Park. Wie gesagt, in der Sperrzone! Jener 30-Kilometer-Zone, die niemand ohne Erlaubnis und Begleitung betreten darf.

Hunderte Arbeiter waren im Vorfeld des Jahrestages im Einsatz. Durchaus auch länger, als sie eigentlich aufgrund der Strahlenbelastung durften. Aber wen kümmert das schon?! Hauptsache, die Außenwirkung stimmt. Das war vor 25 Jahren so. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Da kann noch so viel und noch so betroffen über Wahrheit und Wertschätzung gesprochen werden.

Stand: 26.04.2012 12:56 Uhr

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