Kommentar

Trump siegt bei US-Vorwahl in Nevada Die große Schnauze einer kaputten Partei

Stand: 24.02.2016 15:40 Uhr

Ein Reality-TV-Clown als Präsidentschaftskandidat? Das ist selbst im Land der unbegrenzten Möglichkeiten unmöglich, dachte bis vor Kurzem Andreas Horchler. Nach Trumps drittem Sieg in Folge musste er seine Meinung ändern.

Kommentar von Andreas Horchler, ARD-Studio Washington

Trump? Niemals! Die Republikaner werden den Reality-TV-Clown nie und nimmer zu ihrem Kandidaten machen. Ich gebe zu. Ich gehörte auch zu denjenigen, die keine Sekunde auf Trump gewettet hatten. Auf einen Immobilienmilliardär, der keine Muslime mehr ins Land lassen will, eine wunderbare große Mauer an der Grenze nach Mexiko plant, seine Gegner gern ins Gesicht schlagen und ansonsten Amerika wieder groß machen will.

Jetzt wette ich nicht mehr. Ich habe den Mann der vielen Überschriften ohne Inhalte kürzlich gemeinsam mit 10.000 Menschen erlebt. Die Leute waren völlig aus dem Häuschen. Sie alle haben die Nase voll von Washington, von Obama, einem bewegungslosen Kongress und einer schwindenden Mittelklasse.

Gratis Werbezeit für einen Demagogen

Trump ist reich, gibt sich unabhängig, politisch unkorrekt, stark. In Nevada haben sogar die aus Lateinamerika stammenden Wähler mehrheitlich für Trump gestimmt - für den Mann also, der Amerika vor der Immigration aus Lateinamerika abschotten will. Die Gründe: US-Medien senden und schreiben alles, was "der Donald" von sich gibt. Gratis-Werbezeit für einen Demagogen. Quote schlägt Bedenken.

Sänge Trump einen Popsong, würde der nur aus einem Refrain bestehen. "Ich mache Amerika wieder groß". Die fette Schlagzeile kennt jeder Amerikaner längst auswendig. Wiederholung stärkt den Glauben. Die Republikanische Partei, das sind eigentlich viele Parteien: Reagan-Republikaner, Tea Party, Evangelikale Christen, und Showmann Trump.

Ina Ruck, ARD Washington, über de Erfolg Donald Trumps
tagesschau24 19:00 Uhr , 24.02.2016

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Groß ist bei den Republikanern nur noch die Schauze von Trump

Trump hat noch in keinem Bundesstaat mehr als 50 Prozent der Stimmen geholt. Da sich aber vier weitere Kandidaten den restlichen Kuchen teilen, gewinnt er trotzdem. Trump hat bisher nur 79 Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag im Juli sicher. Er braucht 1237. Wenn nicht mehrere seiner Mitbewerber sehr bald die Bahn frei machen für einen Schlagabtausch zwischen Trump und nur noch einem weiteren Kandidaten, wird er im November möglicherweise gegen Hillary Clinton oder Bernie Sanders antreten.

Im Moment will niemand dieses Opfer bringen und aufgeben, um die Grand Old Party, wie die Republikanische Partei genannt wird, zu retten. Groß ist bei den Republikanern nur noch die Schnauze von Donald Trump.

Trump? Niemals! Im Stillen werden Vertreter der kaputten Partei jetzt hoffen, dass es im Zweifelsfall Hillary Clinton im November schon richten und den rassistischen Worthülsen-Produzenten mit der blonden Tolle haushoch schlagen wird. Aber Wetten schließe ich nicht mehr ab.

Trump wird immer wahrscheinlicher Präsidentenkandidat der Republikaner
Andreas Horchler, ARD Washington
24.02.2016 15:14 Uhr

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