Kommentar

Kommentar zur Klima-Entscheidung Der größte Bremser ist von Bord

Stand: 02.06.2017 10:00 Uhr

Der Bremser Trump hat den Klimazug verlassen - aber auch ohne ihn werden die USA und der Rest der Welt ihren Weg aus der Klimakatastrophe finden müssen, meint Jürgen Döschner. Denn entscheidend ist, was die Weltgemeinschaft gegen den Klimawandel tut.

Ein Kommentar von Jürgen Döschner, WDR

Wer meint, er sitzt im falschen Zug, mit dem sollte man nicht über eine Drosselung der Geschwindigkeit oder gar einen Richtungswechsel diskutieren - den sollte man schlicht und ergreifend bei nächster Gelegenheit aussteigen lassen. Donald Trump hat das nun endlich begriffen - und die verbliebenen 194 Reisenden an Bord des Klimazuges hoffentlich auch.

Der Bremser ist ausgestiegen

Der Klimaschutz-Zug rollt, er muss rollen - auch ohne die USA. Möglicherweise sogar schneller und besser. Der größte Bremser ist von Bord. 195 Staaten, fast alle Länder der Welt, haben das Klimaabkommen von Paris unterzeichnet. Nun gesellt sich Trump zu Syrien und Nicaragua, den einzigen, die bislang nicht mitgezogen sind.

Wenn die verbliebenen 194 Staaten konsequent und mutig daran arbeiten, die Erderwärmung zu stoppen, werden sie am Ende mehr erreichen als 195 Staaten, die sich aus Rücksicht auf einen Unentschlossenen und Uneinsichtigen zu faulen Kompromissen überreden lassen.

Kein Aus-Knopf für Trump

Sicher, die USA sind eine große Industrienation, sie sind nach China der größte CO2-Produzent, verbrennen Öl, Gas und Kohle wie kaum ein anderes Land. Aber so wenig, wie es den einen "Roten Knopf" gibt, mit dem sich ein Land auf Klimaschutz-Modus umschalten lässt, so wenig gibt es diesen Roten Knopf für den umgekehrten Vorgang.

Die Energiewende, die Abkehr der Investoren von Kohle, Öl und Gas, der technische und ökonomische Siegeszug der Erneuerbaren, der Niedergang der Kohle - das alles ist auch in den USA längst angekommen, und das alles wird sich auch in den USA eines Trump nicht umkehren lassen.

Was Trump denkt, spielt keine Rolle

Trump mag die Wissenschaft missachten, aber er kann weder die Gesetze der Physik noch die der Ökonomie nach seinem Gutdünken verändern. Er mag der Zweidrittelmehrheit der Amerikaner, die sich für den Verbleib im Klimaschutzabkommen ausgesprochen haben, vor den Kopf stoßen; er mag versuchen, dem geballten Sachverstand der Wissenschaft mit Lügen und "alternativen Fakten" die platte Stirn zu bieten.

Das Land und der Rest der Welt werden ihren Weg aus der Klimakatastrophe auch ohne Trump, auch gegen Trump finden. Entscheidend ist nicht, was Trump in Sachen Klimawandel denkt, sondern was der Rest der Welt im Kampf gegen den Klimawandel tut.

Der Schlüssel zum Erfolg in diesem Kampf lag schon vor Trumps Kamikaze-Entscheidung in jedem einzelnen Land. Und jetzt noch mehr. Für Deutschland heißt das: Raus aus der Kohle, weg vom Verbrennungsmotor, Ausbau der Erneuerbaren, mehr Energieeffizienz - und das möglichst schnell.

Der Bremser Trump hat den Klimaschutzzug verlassen - will vielleicht wieder aufspringen, wenn das Tempo gedrosselt wird. Aber die einzig richtige Antwort kann nur lauten, das Tempo zu erhöhen!

Trump kündigt Pariser Klimaschutzabkommen
J. Döschner, ARD
02.06.2017 09:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. Juni 2017 um 07:25 Uhr

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