Kommentar

Kohlearbeiter in den USA | Bildquelle: AP

Trumps Klimapolitik Ziemlich fossil

Stand: 29.03.2017 09:27 Uhr

Donald Trump betont gerne seinen Geschäftssinn. Um so verblüffender ist, wie er in der Klimapolitik so falsch liegen kann, meint Sabrina Fritz. Trump setzt auf unprofitable und dreckige Energien aus der Vergangenheit. Selbst China ist da inzwischen weiter.

Ein Kommentar von Sabrina Fritz, ARD-Studio Washington

Es war ein schwarzer Tag für die amerikanische Umweltpolitik, ein rabenschwarzer. Amerikanische Kohlekraftwerke dürfen nun weiterhin ihre Abgase ungefiltert in die Luft blasen. Öffentliches Land wird für den Kohleabbau freigegeben.

Donald Trump geht es um die Kohle und das darf man in diesem Fall durchaus doppeldeutig verstehen. Der Kohleindustrie verspricht er ein goldenes Zeitalter und man fragt sich, wie ein Geschäftsmann so falsch liegen kann.

Alte Energieträger sind kein Zukunftsstoff

Die Vergangenheit hat bewiesen, dass Industrien davon profitieren, wenn sie sauberer werden - nicht, wenn sie schmutzig blieben. Autos, die weniger verbrauchen, Fabriken, die energiesparsam arbeiten und moderne Kohlekraftwerke sind wettbewerbsfähiger als alte. Kohle ist keine Zukunftsindustrie und wird es auch nicht mehr werden.

In den amerikanischen Minen und Kraftwerken arbeiten 65.000 Menschen. Allein die deutschen Autohersteller beschäftigen zehnmal mehr in den USA. Die Vereinigten Staaten haben ihre Kohleindustrie selbst in den Schatten gestellt, indem sie Fracking zugelassen haben und damit Öl und Gas den Vorzug gegeben haben.

Arbeitsplätze schafft man, indem man in die Zukunft investiert, nicht in die Vergangenheit. Als nächstes wird Präsident Trump wahrscheinlich den Beschäftigten in der Schreibmaschinenindustrie ein Jobwunder versprechen.

Ein Erfolg war dringend erforderlich

Aber Trump braucht das dankbare Lächeln der Minenarbeiter, die er bei seiner Anordnung um sich geschart hatte. Viel Applaus hat er in den letzten Wochen ja nicht bekommen.

Der Vorgang ist beispiellos. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, dass ein Industrieland Umweltvorschriften wieder zurückgenommen hat. Selbst die Chinesen haben inzwischen erkannt, dass alle dieselbe Luft einatmen. Man fragt sich manchmal, hat dieser Mann keine Enkel, die saubere Luft einatmen wollen?

Aufkündigung von Paris nicht mehr nötig

Nebenbei - er hat derer neun und nur dem Einfluss  seiner Tochter Ivanka soll es zu verdanken sein, dass die USA nicht auch noch das Pariser Klimaschutzabkommen aufgekündigt haben. Doch Umweltexperten sagen: Wenn die amerikanischen Kohlekraftwerke jetzt weiter laufen können wie bisher, werden die Amerikaner die CO2-Ziele von Paris ohnehin nicht erfüllen.

Trumps Umweltpolitik verdient  den Namen jedenfalls nicht und die Vorstellung, dass Ökologie und Ökonomie gegeneinander und nicht miteinander arbeiten, ist so alt wie die Vorstellung, dass Frauen immer einen Rock anhaben müssen.

Kommentar zu Trumps Anti-Umweltpolitik
S. Fritz, ARD Washington
29.03.2017 09:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. März 2017 um 10:00 Uhr.

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