Kommentar

Interpretation statt Fakten Die Welt, wie sie Trump gefällt

Stand: 23.01.2017 07:32 Uhr

Trump bastelt sich seine eigene Wirklichkeit und schreckt dabei offenbar auch nicht vor Lügen zurück. Dabei muss er dringend den Vorwärtsgang einlegen, sonst wird es für seine Republikaner schwierig.

Ein Kommentar von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Lalelu, Donald Trump macht sich die Welt wie sie ihm gefällt - und er bastelt sich seine eigene Wirklichkeit. Wenn dafür gelogen werden muss, ist das für den neuen US-Präsidenten offenbar gar kein Problem.

Es ist nicht neu, dass Donald Trump eine Mimose ist. Jemand, der keine Kritik einstecken kann. Dass große Bereiche der National Mall leer waren bei seiner Amtseinführung, das konnte der neue US-Präsident nicht hinnehmen. Deshalb schickte er seinen Pressesprecher vor, damit der beleidigt und wütend den Journalisten entgegenschleuderte: Dies sei die bestbesuchteste Amtseinführung aller Zeiten gewesen. Punkt.

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Die National Mall bei der Vereidigung Obamas (2009) und Trumps (2017)

Menge an der Nationalpromenade in Washington während der Amtseinführung des US-Präsidenten Donald Trump am 20.01.2017
Menge an der Nationalpromenade in Washington während der Amtseinführung des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama am 20.01.2009

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Buhmann sind die Medien

Eins ist spätestens jetzt klar: Unter Donald Trump kann nicht sein, was nicht sein darf. Egal, ob Luftaufnahmen Trumps Wirklichkeit widerlegen oder sein eigener Twitter-Account ihn Lügen straft. Schließlich hat er am Wochenende auch behauptet, sein Konflikt mit den Geheimdiensten sei eine Erfindung der Medien. Seine Tweets lesen sich anders.

Die Rolle des Buhmanns ist für die nächsten Jahre fest besetzt: Es sind die Medien. Bei seinen Anhängern ist Trump mit solchen Auftritten sicher beliebt - endlich einer, der aus ihrer Sicht erfrischend anders ist. Er wird aber bei einer nicht unwesentlichen Zahl von Amerikanern das Gegenteil erreichen. Er schweißt sie zusammen - gegen sich. Das ist ihm erstmal sicher völlig egal. Er hat ja, was er wollte - die Macht.

Stinkbomben statt erste Duftmarken

Aber in nicht einmal zwei Jahren sind Kongresswahlen. Es geht um die Mehrheit der Republikaner in Senat und Repräsentantenhaus. Um die Mehrheit, die Trumps Politik tragen soll. Bis dahin muss Donald Trump liefern, um seinen Leuten zu helfen. Aber er macht im Wahlkampfmodus weiter, ist immer noch rückwärtsgewandt. Was Trump offenbar nicht weiß, ist, wie man den Vorwärtsgang einlegt. Denn jetzt ist er dran. Jetzt muss er gestalten. Das wollte er doch so dringend.

Warum verzettelt er sich in unnötigen Kleinkriegen? Er hat wirklich größere Probleme als US-Präsident. Die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft, der Rassenkonflikt, die Gesundheitsreform. Die Liste ließe sich mit innen-, außen- und sicherheitspolitischen Themen auf stattlichen Umfang verlängern. Statt sich um diese Baustellen zu kümmern und zu zeigen, was er anders macht als Obama, schmollt der neue Mann im Oval Office. Trump wirft Stinkbomben statt erste Duftmarken zu hinterlassen. Traurige Vorstellung.

Trump-World: Es kann nicht sein, was nicht sein darf!
Martina Buttler, ARD Washington
23.01.2017 07:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Januar 2017 um 06:16 Uhr

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