Kommentar

Neues Buch über Trump Intrigantenstadl im Weißen Haus

Stand: 04.01.2018 19:24 Uhr

Angesichts guter Wirtschaftsdaten hätte 2018 für Trump eigentlich gut beginnen können. Das Gegenteil ist der Fall - dank eines neuen Enthüllungsbuchs. Trump wird darin als Intrigant beschrieben, seine Truppe als völlig planlos. Amerika als Ordnungsmacht? Fehlanzeige!

Ein Kommentar von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Das Enthüllungsbuch von Michael Wolff, das an diesem Freitag erscheint, schlägt jetzt schon hohe Wellen in den USA. Auch wenn nur die Hälfte von dem wahr sein sollte, was in Vorabauszügen bekannt wurde, bestätigen sie den Eindruck, den man als Beobachter von außen ohnehin gewonnen hat. Das Weiße Haus unter Präsident Donald Trump ist eine Chaos-Truppe!

Unvorbereitet, ohne Plan, voller Intrigen. Eine Schlangengrube, in der der Präsident jeden gegen jeden ausspielt. Erst der neue Stabschef John Kelly hat ab dem Sommer für mehr Disziplin gesorgt. Eine der Hauptquellen des Autors ist Trumps ehemaliger Chefstratege Steve Bannon. Sein Nachtreten gegen Trumps Kinder und Schwiegersohn Kushner ist die Rache für seinen Rausschmiss aus dem Weißen Haus.

Vor Kurzem noch Freund? Geschwätz von gestern!

Eigentlich müsste ihm klar gewesen sein, dass dies zum Bruch mit Trump führen würde. Ebenso wie die typische Reaktion Trumps: Rechtliche Schritte einleiten und die Bedeutung Bannons kleinreden. Bannon habe wenig mit seinem historischen Wahlsieg zu tun gehabt, sondern vor allem Interna an die Medien durchgestochen. Dass Trump noch vor Kurzem seinen rechtspopulistischen Vordenker als guten Freund bezeichnet hat - Geschwätz von gestern.

Manches aus dem Buch wusste man bereits: Dass Trump ein von seinem Image in der Öffentlichkeit besessener Egomane ist. Dass er im Schlafzimmer mehrere Fernsehschirme gleichzeitig verfolgt und dabei Cheeseburger isst und twittert. Für Psychologen ist das interessant, politisch eher unbedeutend.

Führende Republikaner dürften sich freuen

Politisch brisant sind dagegen Bannons Aussagen zur Russland-Connection. Dass die russische Anwältin im Sommer 2016 nicht nur Don Junior, sondern auch Trump persönlich traf, dieser Hinweis Bannons ist eine Steilvorlage für Sonderermittler Robert Mueller. Ebenso wie die Kritik Bannons an "schmierigen" Geldgeschäften von Trumps Schwiegersohn, unter anderem mit der Deutschen Bank. Anders als von Trump behauptet, werden ihn die Russland-Ermittlungen noch lange verfolgen.

Und noch etwas ist politisch bedeutsam: Über den Bruch zwischen Trump und dem Rechtspopulisten Bannon freuen sich vor allem die führenden Republikaner im Kongress. Ihnen hatte Bannon den Krieg erklärt. Traditionelle und gemäßigte Konservative wollte er mit seiner rechtspopulistischen Bewegung vertreiben. Nach der Wahlschlappe in Alabama ist dies ein weiterer Rückschlag für Bannons Rechtspopulisten.

Eigentlich hätte Donald Trump mit Rückenwind in das neue Jahr starten können. Die US-Wirtschaft floriert, der Aktienmarkt boomt. Und mit der Steuerreform hat Trump auch ein wichtiges Wahlversprechen durch den Kongress gebracht. Stattdessen beginnt das neue Jahr wie das alte endete: Intrigantenstadl im Weißen Haus, Politik im Stile von Reality TV und wütende Twitter-Stürme. Amerika als Ordnungsmacht der Welt - mit diesem Präsidenten an der Spitze Fehlanzeige.

Kommentar: Intrigantenstadl im Weißen Haus
Martin Ganslmeier, ARD Washington
05.01.2018 07:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Januar 2018 um 20:00 Uhr.

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