Kommentar

Donald Trump bei der ersten Pressekonferenz nach seiner Wahl | Bildquelle: AP

Trump-Pressekonferenz Nervös, gereizt - ein Lehrling

Stand: 12.01.2017 01:14 Uhr

Willkommen zum Starkbieranstich - auf der ersten Pressekonferenz seit der Wahl wirkte Trump nervös, gereizt und unberechenbar. Auf eine halbgare Geschichte reagierte er so gelassen wie ein Stier in der Arena. Was wird passieren, wenn es ernst wird?

Von Sabrina Fritz, ARD-Hörfunkstudio Washington

Was ist das für ein Kontrast: Obama hält in Chicago eine durchkomponierte Abschiedsrede - selbstkritisch - mit leisen, nachdenklichen Tönen. Vielleicht habe auch er Gruppen aus den Augen verloren. Es ist ein Appell, die Demokratie zu verteidigen und seinem Nachfolger eine Chance zu geben. Ein Auftritt mit viel Applaus und am Ende flossen Tränen, eine gelungene Aufführung.

Zwölf Stunden später geht der Vorhang auf für Donald Trump: Willkommen zum Starkbieranstich. Grob ging es zu und aggressiv. Trump war bereit zum Armdrücken - mit den Medien, mit dem russischen Präsidenten und den Geheimdiensten. Der künftige Präsident wirkte gereizt und damit gefährlich.

Sein Auftritt lief anders als geplant. Eigentlich sollte es ja bei seiner ersten Pressekonferenz seit Sommer ums Geschäft gehen. Der Trump-Konzern, die Hotels und Wolkenkratzer, die Golfclubs und Weingüter werden künftig von seinen beiden Söhnen geleitet. Wer es genauer wissen will, dem hatte er eine Anwältin und einen Berg von Akten mitgebracht.

Mit dem Sieg nervöser geworden

Doch diesen Plan haben die Internetseite Buzz-Feed und der Fernsehsender CNN durchkreuzt. Sie haben es gewagt, eine Geschichte zu veröffentlichen, die zugegeben sehr nach einem James-Bond-Drehbuch klingt. Ein ehemaliger britischer Spion will herausgefunden haben, dass die Russen brisantes Material in der Hand haben, mit dem sie den künftigen amerikanischen Präsidenten erpressen könnten, darunter eine Sexparty in einem Moskauer Hotel. Trump tobt, spricht von Nazi-Methoden, droht den Medien mit Konsequenzen und ist so gelassen wie ein Stier in der Arena. Am Ende ist es doch eher eine harmlose, halbgare Geschichte.

Aber, so fragt man sich, wie wird dieser Mann erst reagieren, wenn es ernst wird? Wenn Nordkorea seine Atomwaffen Richtung Kalifornien ausrichtet, wenn Putin mehr Appetit auf Osteuropa bekommt, wenn eine zweite Finanzkrise droht. Trump wirkt auch wenige Tage, bevor er den Atomkoffer in die Hand gedrückt bekommt, unberechenbar. Der Sieg, den ihm niemand mehr nehmen kann, hat ihn nicht entspannter sondern nervöser gemacht.

Obama: Eine Aufgabe - für einen Mann zu groß

Man kann das gut verstehen. Die ganze Dimension des Amtes wurde ihm vielleicht erst in den letzten Wochen bewusst. Die Aufgabe ist für einen Mann eigentlich zu groß hat Obama einmal gesagt. Ständig müssen Informationen verarbeitet, Entscheidungen getroffen, Krisen erkannt werden.

Trump ist ein Geschäftsmann. Das ist ein Parkett auf dem er sich sicher fühlt, das merkt man. Wie sich hochbezahlte Manager von ihm rumkommandieren lassen, ist schon beeindruckend. Die Welt der Geheimdienste, der Regierungen und des Militärs ist ihm dagegen suspekt. Bislang war er gewohnt mit einem kleinen Team von Vertrauten zu arbeiten, seiner Familie, einem Dutzend Beratern. Jetzt muss er raus aus seinem Tower und entscheiden, wem er trauen kann und wem nicht.

Was helfen würde, wären erfahrene Minister, die sich auskennen, und ihm Entscheidungen abnehmen. Aber, die wollte er ja nicht. Außenseiter hat er in die Regierung geholt, wie den ehemaligen Vorstand des Ölkonzerns Exxon als Außenminister. Das Weiße Haus ist aber kein Ausbildungsbetrieb. Die erfahrenen Meister in Moskau, Peking und Ankara werden schon wissen, mit welchen Methoden sie den Lehrling im Weißen Haus wieder auf die Palme bringen.

Kommentar nach der Trump Rede: Der nervöse Präsident
Sabrina Fritz, ARD Washington
12.01.2017 01:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR5 am 12. Januar 2017 um 08:46 Uhr

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