Kommentar

Verhalten des US-Präsidenten Trumps Geisterfahrt

Stand: 17.10.2019 20:42 Uhr

Ob Impeachment oder Nordsyrien-Konflikt, ob gegen Pelosi oder Mattis: US-Präsident Trump verhält sich zunehmend wie ein in die Ecke Gedrängter, der wild um sich schlägt. Das ist gefährlich.

Ein Kommentar von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Was in diesen Tagen im Weißen Haus passiert, das beschreiben erfahrene US-Korrespondenten mit dem Bild: "The wheels are coming off" - also: "die Räder lösen sich vom Wagen". Treffender kann man die innen- und außenpolitische Geisterfahrt des US-Präsidenten nicht auf den Punkt bringen. Trump verhält sich zunehmend wie ein in die Ecke Gedrängter, der wild um sich schlägt. Dass jetzt sogar die Republikaner im Kongress mit großer Mehrheit den US-Rückzug aus Syrien verurteilt haben, war für Trump eine nicht erwartete Klatsche. Eine solch starke Distanzierung der Republikaner von ihrem Präsidenten hatte es bislang nicht gegeben.

Und das ausgerechnet in einer Phase, in der Trump jede Unterstützung aus seiner Partei braucht. Längst ist ihm klar, dass er ein Impeachment-Verfahren nicht mehr abwenden kann. Zwar weiß er, dass ihn am Ende der republikanisch dominierte Senat freisprechen wird. Aber - und das ärgert den Symbolpolitiker Trump am meisten - damit würde er zu einem kleinen Club geschasster oder beinahe geschasster US-Präsidenten gehören.

Bauchgefühl statt Fachwissen

Jetzt rächt sich, dass Trump nur noch Ja-Sager in seinem Umfeld duldet und selbst diese nicht mehr in Entscheidungen einbindet. Die Supermacht USA wird von einem Präsidenten regiert, der die Ministerien und das Fachwissen seiner Regierung als "Staat im Staate" ablehnt. Stattdessen verlässt sich Trump auf sein Bauchgefühl und sein "stabiles Genie". Die folgenreiche Entscheidung zum Rückzug aus Nordsyrien fällte Trump nach einem Telefonat mit dem türkischen Präsidenten Erdogan - ohne Rücksprache mit seinen Ministern und den Bündnispartnern. Der US-Präsident glaubte, er könne damit politisch punkten und vom Thema Impeachment ablenken.

Beleidigungen in alle Richtungen

Das ging gründlich schief. Seitdem ist Trump vor allem eines: wütend. Seinem Gast im Weißen Haus, dem italienischen Präsidenten Sergio Mattarella, warf er die geringen Verteidigungsausgaben der Europäer vor. Kurze Zeit später verunglimpfte der erste Mann im Staate die Nummer drei der USA - die ihm gegenübersitzende Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi als "drittklassige Politikerin". Worauf diese zu Recht das Weiße Haus verließ. Den ganzen Tag über beleidigte Trump die syrischen Kurden als "Kommunisten", die "keine Engel" seien. Dass 11.000 dieser Kurden als Verbündete der USA im Kampf gegen den IS starben, quittierte Trump mit der Bemerkung: Amerika habe ihnen dafür auch enorm viel Geld gezahlt. Und auf den Einwand, sein früherer Verteidigungsminister James Mattis habe stets gemahnt, Amerika brauche gute Bündnispartner, meinte Trump: Mattis sei der "am meisten überschätzte General".

Die Welt muss sich ernsthaft Sorgen machen. Trump twittert, Pelosi sei "nicht ganz richtig da oben". Wohl eher ist es der Mann im Weißen Haus, der mit Zugriff auf den Atomkoffer, der ein Rad ab hat.  

Kommentar: Trumps innen- und außenpolitische Geisterfahrt
Martin Ganslmeier, ARD Washington
17.10.2019 19:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Oktober 2019 um 19:10 Uhr.

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