Kommentar

US-Präsident Donald Trump | Bildquelle: AP

Militärschlag in Syrien Trump hat keine Strategie

Stand: 14.04.2018 19:18 Uhr

Der US-geführte Militärschlag gegen Syrien war deutlich begrenzter, als von US-Präsident Trump zunächst gewünscht. Dafür müsse man Verteidigungsminister Mattis dankbar sein.

Ein Kommentar von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Seit Tagen war klar, dass die erneute Giftgasattacke des syrischen Regimes nicht unbeantwortet bleiben konnte. Den Einsatz von Giftgas darf die Staatengemeinschaft nicht tatenlos hinnehmen. Deshalb waren die gemeinsamen Militärschläge der USA, Frankreichs und Großbritanniens richtig und angemessen, zumal sie sich zielgerichtet gegen die Chemiewaffenanlagen des syrischen Regimes richteten und die Gefahren für die Zivilbevölkerung so gering wie möglich hielten.

Es war ebenfalls klar, dass es diesmal nicht bei einem bloßen Warnsignal wie vor einem Jahr bleiben konnte. 105 Marschflugkörper wurden abgeschossen, doppelt so viele wie vor einem Jahr. Und diesmal waren es nicht nur die Amerikaner.

Verbleibende Stimmen der Vernunft

Dennoch fiel die Militäraktion deutlich begrenzter aus als von US-Präsident Donald Trump zunächst gewünscht. Dafür muss man US-Verteidigungsminister James Mattis dankbar sein. Mattis war vor allem wichtig, dass weder russische noch iranische Einrichtungen oder Soldaten getroffen wurden. Dies hätte schnell zu einem Flächenbrand führen können. Mattis ist eine der wenigen verbleibenden Stimmen der Vernunft in der US-Regierung, auf die Donald Trump noch hört. Möge er uns noch lange als Verteidigungsminister erhalten bleiben!

Mattis ist es auch, der seit Tagen betont, dass diese Militärschläge allein nichts an der aussichtslosen Situation in Syrien ändern werden. Während Trump noch vor zwei Wochen die US-Soldaten in Syrien komplett abziehen wollte, will Mattis den Genfer Friedensprozess der Vereinten Nationen wiederbeleben.

US-Verteidigungsminister James N. Mattis (am Pult) erläutert den Angriff auf Ziele in Syrien. | Bildquelle: SGT. AMBER SMITH/HANDOUT/EPA-EFE
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US-Verteidigungsminister James N. Mattis - eine der wenigen verbleibenden Stimmen der Vernunft in der US-Regierung, auf die Donald Trump noch hört.

Erinnerungen an den fatalen Irak-Krieg

Wenn Trump heute twittert, "Mission Accomplished!" - "Mission erfüllt!" -, weckt er damit nicht nur ungute Erinnerungen an den fatalen Irak-Krieg von George W. Bush. Er zeigt damit auch, dass ihn das Schicksal Syriens und seiner leidgeplagten Zivilbevölkerung nicht wirklich interessiert.

Noch vor zwei Wochen kündigte Trump an, alle 2000 US-Soldaten aus Syrien abzuziehen. Trump sucht den schnellen Erfolg von Militärschlägen, aber er hat keine Strategie, wie dieser fürchterliche Krieg beendet werden kann. Militärschläge allein sind nie eine Lösung.

Genfer Friedensprozess wieder beleben

Wenn sie dennoch über den Abschreckungseffekt hinaus etwas Gutes bewirken sollten, dann vielleicht, dass jetzt hoffentlich allen beteiligten Ländern klar geworden ist, wie schnell dieser Krieg in einen Flächenbrand eskalieren kann. Es gibt keine Alternative zu diplomatischen Verhandlungen, um diesen Krieg zu beenden. Verteidigungsminister Mattis weiß das. Die Europäer wissen das. Hoffentlich kapieren es auch Trump und der russische Präsident Wladimir Putin.

Der Genfer Friedensprozess muss dringend wieder belebt werden. Und hier können die Europäer - und vor allem Deutschland - eine wichtige Rolle spielen.

Kommentar: Militärschläge sind noch keine Strategie
Martin Ganslmeier, ARD Washington
14.04.2018 16:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die ARD einen Brennpunkt am 14. April 2018 um 20:15 Uhr.

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