Kommentar

Kommentar zum US-Angriff Was fehlt: eine Syrien-Strategie

Stand: 07.04.2017 17:56 Uhr

Mit dem US-Luftschlag hat Präsident Trump dem syrischen Machthaber Assad ein Signal geschickt: Die Zeit der Straflosigkeit ist vorbei, meint Carsten Kühntopp. Dennoch: Trump braucht für Syrien dringend eine Strategie. Denn bislang ist der Angriff nur ein Signal - bislang ohne Folgen.

Ein Kommentar von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Der amerikanische Angriff auf einen Stützpunkt der syrischen Luftwaffe markiert einen Wendepunkt im Syrien-Krieg. Zum ersten Mal seit Beginn des Konflikts 2011 haben die USA eine Militäreinrichtung des syrischen Regimes ins Visier genommen. Der Luftangriff war wohlabgewogen, maßvoll und verhältnismäßig. Das Risiko einer direkten militärischen Konfrontation mit Russland, die zu einer Eskalation führen könnte, ist nicht hoch - das sieht selbst der syrische Informationsminister so.

Ein Signal, das Assad versteht

US-Präsident Donald Trump hat dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad damit ein Signal geschickt, das dieser hoffentlich versteht: Nach sechs Jahren Krieg mit mehr als 400.000 Toten ist die Zeit der Straflosigkeit vorbei, Assad kann den Konflikt nicht länger je nach Belieben eskalieren, die Bluttaten des Tyrannen haben künftig Folgen.

Mit dem Giftgasangriff auf Chan Scheichun, der mehr als 80 Menschen das Leben kostete, hatte Assad den neuen Mann im Weißen Haus getestet. Er wollte sehen, ob er auch bei Trump so weit gehen kann, wie bei dessen Amtsvorgänger. Die Antwort hat der syrische Präsident jetzt.

Zwar wäre es besser gewesen, wenn Trump den Befehl gegeben hätte, die syrische Luftwaffe vollständig auszuschalten. Denn durch sie lässt Assad immer wieder zivile Ziele angreifen, wie Krankenhäuser und Schulen. Das sind Kriegsverbrechen, genauso wie das Abwerfen von Fassbomben über Wohnvierteln. Aber Trumps Zurückhaltung gibt ihm in Zukunft die Möglichkeit, flexibel auf Assads Kriegsführung zu reagieren.

Druck auf Damaskus

Dank des US-Luftangriffs ist der Druck auf den syrischen Präsidenten gestiegen, in Genf endlich ernsthaft über einen friedlichen Machtwechsel zu verhandeln. Bisher tat er das nicht, die Gespräche unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen kamen deshalb einfach nicht vom Fleck.

Gerade diejenigen im Westen, die jetzt voller Empörung auf den US-Angriff reagieren und eine friedliche Lösung des Syrien-Konflikts verlangen, müssen begreifen: Solch eine Lösung rückt nur dann näher, wenn am Verhandlungstisch ein weitgehendes Gleichgewicht der Kräfte herrscht. Bislang fehlte es.

Strategie für Syrien nötig

Die Entschlossenheit, die Trump jetzt gezeigt hat, ist willkommen. Dennoch ist aber nicht klar, was er in Sachen Syrien wirklich will, während der vergangenen Woche gab es dazu zu viele widersprüchliche Signale. Ganz dringend sollte die US-Administration also eine umfassende Strategie formulieren. Sonst wäre dieser Luftangriff nicht mehr als eine Demonstration militärischer Macht gewesen: Eindrucksvoll, aber ohne weitere Folgen.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion wieder.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. April 2017 um 17:08 Uhr.

Darstellung: