Kommentar

Hillary Clinton jubelt nach ihrem Triumph am Super Tuesday | Bildquelle: AP

Clinton und Trump vorn Ein "Super Tuesday", der Geschichte schreibt

Stand: 02.03.2016 11:35 Uhr

Noch nie ist eine Frau so dicht am Ziel gewesen, US-Präsidentschaftskandidatin zu werden wie Clinton. Nie zuvor ist ein Kandidat als absoluter Außenseiter gestartet und hat alle so überrollt wie Trump. Ein historischer "Super Tuesday"?

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Dieser "Super Tuesday" wird Geschichte schreiben. Nie zuvor ist eine Frau der offiziellen Nominierung als Präsidentschaftskandidatin so nahe gekommen wie Hillary Clinton. Nach ihren überzeugenden Siegen in sieben Bundesstaaten und erneut deutlichem Vorsprung bei den Afroamerikanern wird es für Bernie Sanders schwer sein, sie noch zu überholen.

Geschichte schreibt auch Donald Trump. Nie zuvor hat ein Kandidat, der noch vor einem halben Jahr als krasser Außenseiter ins Rennen ging, die Republikaner dermaßen überrollt. Zwar hat Trump noch immer nicht die nötige Delegierten-Mehrheit beisammen. Aber wer soll in den nächsten Wochen seine Siegesserie noch stoppen? Längst macht sich Panik bei den etablierten Republikanern breit. Denn im direkten Umfrage-Duell zwischen Trump und Clinton lag bislang die frühere Außenministerin stets deutlich vorne.

Dennoch muss sich Clinton in Acht nehmen. Der Rechtspopulist mobilisiert längst nicht mehr nur den rechten Rand und die vom Abstieg bedrohten Amerikaner. Mittlerweile hat Trump bei allen konservativen Wählergruppen die Nase vorn.

Frankenstein-Monster Trump?

Die anderen republikanischen Kandidaten haben Trump lange unterschätzt. Seine Hetze gegen illegale Einwanderer, Muslime und die Presse haben sie viel zu lange unwidersprochen gewähren lassen. Stattdessen haben sie sich gegenseitig bekämpft. Zuletzt versuchten Marco Rubio und Ted Cruz verzweifelt, Trump mit seinen eigenen Mitteln und einer niveaulosen Schlammschlacht zu bekämpfen. Die "Washington Post" brachte es auf den Punkt: "Die Republikaner haben das Frankenstein-Monster Trump selbst gezüchtet."

Donald Trump sieht sein Ziel vor Augen: Präsidentschaftskandidat der Republikaner zu werden. | Bildquelle: AP
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Donald Trump sieht sein Ziel vor Augen: Präsidentschaftskandidat der Republikaner zu werden.

Schuld sind jedoch auch die Fernsehsender in den USA. Kein Kandidat bekam mehr Sendezeit als Trump. In langen unkritischen Interviews durfte Trump seine kruden Ansichten verbreiten. Warum? Weil Trump die Einschaltquoten wie kein anderer Politiker hochschnellen ließ

Am Tag nach dem "Super Tuesday" ist das Entsetzen in der Parteispitze der Republikaner groß. Ein National-Chauvinist ist auf dem besten Weg, die traditionsreiche Partei Abraham Lincolns zu erobern. Noch am Wahlabend gebärdete sich Trump ganz staatsmännisch und versprach die Partei zu einigen.

Aber Tatsache bleibt: Trump befürwortet Folter, will elf Millionen illegale Einwanderer deportieren, eine hohe Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen und Muslimen die Einreise verweigern. Nur nach langem Zögern distanzierte er sich vom rassistischen Ku-Klux-Klan.

Republikaner können Trump nur vereint verhindern

Die wohl letzte Chance, Trump zu verhindern, besteht am 15. März, wenn in den bevölkerungsreichen Staaten Florida, Ohio und Illinois gewählt wird. Rubio, Cruz, John Kasich und Ben Carson müssten jetzt ihre Kräfte vereinen. Doch noch sieht es nicht nach einem Bündnis gegen Trump aus.

Davon profitieren könnte Clinton. Ihre Kandidatur sorgt zwar nicht für Begeisterung. Aber je näher der 8. November rückt, um so mehr werden sich die Wähler fragen: wem will ich den Atomkoffer im Weißen Haus anvertrauen? Die Mehrheit wird sich dann hoffentlich gegen Trump entscheiden.

Kommentar zum "Super Tuesday"
M. Ganslmeier, ARD Washington
02.03.2016 11:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. März 2016 um 12:00 Uhr.

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