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Kommentar: Südossetien ist der Sündenbock
Politische Interessen im Kaukasus

Südossetien ist der Sündenbock

Südossetien hat wenig zu bieten: die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Wirtschaft liegt brach. Trotzdem riskiert Georgien wegen der Region einen Krieg mit Russland. Dabei geht es nicht nur um die Einheit des Landes, sondern vor allem um die strategischen Interessen Russlands und der NATO.

Von Christina Nagel, ARD-Hörfunkstudio Moskau

Wirtschaftlich hat Südossetien wenig zu bieten: Inoffiziell sind 60 Prozent der Bevölkerung arbeitslos, es wird lediglich ein bisschen Obst, Getreide und Wein angebaut. Böse Zungen behaupten sogar, die Bergregion sei allein als Transitroute für Schmuggel, Drogen- und Waffenhandel gut.

Warum also wegen einer solchen Region Krieg führen? Warum eine Eskalation mit Russland riskieren?

Georgien ist besorgt um die Einheit des Landes 

Georgien will seine Einheit wahren. Das ist soweit noch verständlich. Das Land, das etwa so groß wie Bayern ist, kann und will sich nicht erlauben, auf eine Region zu verzichten. Ließe man Südossetien ziehen, müsste man auch Abchasien gehen lassen, das ebenfalls nach Unabhängigkeit strebt. Abchasien ist allerdings - anders als Südossetien - wirtschaftlich und strategisch durchaus interessant.

Und hier fängt das Problem an: Auf dem Rücken von Südossetien wird auch internationale Politik betrieben. Die NATO, und damit auch die USA, Russland und die Europäer sind alle involviert. Das erklärt auch, warum sich der UN-Sicherheitsrat in seiner nächtlichen Sondersitzung nicht auf eine gemeinsame Linie im eskalierenden Konflikt einigen konnte. Russische Interessen stehen gegen West-Interessen. Keiner will nachgeben. Darum bleibt es zurzeit bei Appellen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Strategische Interessen der USA...

US-Präsident George W. Bush hat deutlich gesagt, dass man großes Interesse an einem NATO-Beitritt Georgiens habe. Daran, dass das kleine Kaukasus-Land zum strategischen Standort wird. Die georgische Regierung begrüßt dies und hofft auf weitreichende Hilfe von Seiten der Amerikaner. Hilfe vor allem im wirtschaftlichen und militärischen Bereich, aber auch als Absicherung gegenüber dem ehemaligen großen Bruderstaat Russland.

So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass der georgische Präsident Saakaschwili die Amerikaner via CNN aufrief, Georgien zur Seite zu stehen - in einem Krieg, den Russland gegen das kleine Land führe. Es gehe nicht nur um die Werte Georgiens, sondern die Amerikas, argumentierte er.

... treffen auf die Interessen Moskaus

Russland ist gegen einen NATO-Beitritt Georgiens. Man will das Militärbündnis nicht direkt an den eigenen Grenzen haben - ebenso wenig wie Radarstationen in Tschechien und Raketenabwehranlagen in Polen. Schon deshalb unterstützt man Südossetien und Abchasien im Unabhängigkeitskampf gegen Georgien.

Georgien dagegen wirft Russland vor, beide Landesteile annektieren zu wollen. Die Südosseten könnten sich das sogar gut vorstellen. Denn auf der anderen Seite der Grenze, in der russischen Teilrepublik Nordossetien, leben ebenfalls Osseten.

Stand: 08.08.2008 21:03 Uhr

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