Kommentar

Im neuen Amt Steinmeier muss volksnäher werden

Stand: 12.02.2017 18:23 Uhr

Frank-Walter Steinmeier ist beliebt. Doch für sein neues Amt muss der designierte Bundespräsident zeigen, dass er Nähe zum Volk schaffen kann. Er muss mal weg vom Weltgefüge und auch mal hin zum Alltag der Menschen.

Ein Kommentar von Julia Barth, ARD-Hauptstadtstudio Berlin

Frank-Walter Steinmeier ist eine gute Wahl. Nicht nur, weil er in den vergangenen Monaten zum mit Abstand beliebtesten Politiker avanciert ist, also in der Bevölkerung gut ankommt. Sondern auch, weil er erahnen lässt, dass er das Amt des Bundespräsidenten würdig ausfüllen wird. Weil man ihm den Sprung zutraut vom aktiven Parteipolitiker zum überparteilichen Staatsmann.

Doch um die hohen Erwartungen an ihn zu erfüllen, muss er noch einiges tun. Er wolle als Bundespräsident kein Vereinfacher, sondern Mutmacher sein, sagte Steinmeier bei seiner Vorstellung im November. Er wolle die Gesellschaft zusammenhalten und die Mitte stabilisieren. Der Ansatz ist richtig. Doch dazu muss er jetzt noch deutlich mehr als bisher den Kontakt zu dieser Gesellschaft finden.

Steinmeier startet mit Vorschusslorbeeren

Gerade in diesem Punkt hinterlässt Joachim Gauck große Fußstapfen. Er hat es verstanden, den Menschen mit Herz und Kopf zu begegnen. Er hat nie den Kontakt zum Volk gescheut, gut zugehört und oft kluge und richtige Worte gefunden.

Steinmeier startet mit großen Vorschusslorbeeren in das neue Amt. Aber Gaucks Gabe besitzt er noch nicht. Um mit seinem Wirken und mit seinen Worten nicht nur internationale Politiker und Staatenlenker zu erreichen, sondern auch die vielen Menschen im Land - mit ihren ganz persönlichen Problemen und Sorgen - wird er gelegentlich vereinfachen müssen, zumindest sprachlich.

Nähe zur Bevölkerung wichtig

Um den Menschen Mut zu machen, wie er es verspricht, muss er auch mal weg vom Weltgefüge und Deutschlands Rolle darin. Er muss vor die Tür der Menschen, die hier leben und die im Alltag im Zweifel andere Dinge beschäftigen, als internationale Krisenherde und das Image Deutschlands in der Welt.

Dazu muss er gar nicht weit gehen, denn er weiß ja, wo er herkommt - als Sohn eines Tischlers und einer Fabrikarbeiterin, aufgewachsen in einfachen Verhältnissen und einer bodenständigen Familie.

Steinmeier selbst muss Mut beweisen

Wer Steinmeiers Antrittsrede zugehört hat, der hörte einerseits den Außenminister reden, andererseits aber auch jemanden, der versucht, ein bisschen wie Joachim Gauck zu sein. An beidem ist erstmal nichts auszusetzen.

Trotzdem sollte Steinmeier jetzt vor allem selber Mut beweisen. Den Mut, das was war abzuschütteln und mit seinem Herzen noch ein bisschen mehr ans Volk heranzurücken. Dann sind alle Voraussetzungen gegeben, dass Steinmeier als Mut-mach-Präsident ein Erfolg wird.

Kommentar: Steinmeier for President
J. Barth, ARD Berlin
12.02.2017 19:04 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. Februar 2017 um 17:20 Uhr.

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