Kommentar

CSU-Abschiebepläne Rücksichtslos und absurd

Stand: 21.08.2018 11:12 Uhr

Es ist absurd, dass die CSU auch gut integrierte Flüchtlinge, die einen Job haben, abschieben will. Angesichts des Fachkräftemangels ist es ökonomischer Unsinn und fatal für die Integrationsbemühungen.

Ein Kommentar von Nadine Bader, ARD-Hauptstadtstudio

Dass das CSU-geführte Bundesinnenministerium weiter Menschen abschieben möchte, die gut integriert sind und eine Arbeit haben, ist nicht nur rücksichtslos, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht absurd. Es ist rücksichtslos, weil nicht honoriert wird, wenn Geflüchtete Deutsch gelernt, eine Ausbildung gemacht und sich integriert haben.

Hohn gegenüber Arbeitgebern

Viele Arbeitgeber haben sich das "Wir schaffen das!" der Bundeskanzlerin zu Herzen genommen und in die Ausbildung von Flüchtlingen investiert. Sie müssen es als blanken Hohn verstehen, wenn jetzt genau diese Arbeitskräfte von Abschiebung - etwa nach Afghanistan - bedroht sind.

Aus wirtschaftlicher Sicht ist diese Praxis absurd, weil Arbeitskräfte fehlen. Zum Beispiel im Handwerk, in der Gastronomie und in der Pflege. Und auch, wenn die Integration in den Arbeitsmarkt einen langen Atem braucht, weil viele der Geflüchteten erst die Sprache und einen Beruf lernen müssen: Die Anstrengung lohnt sich.

Zahl der Flüchtlinge mit Job steigt

Das zeigen auch die Daten der Bundesagentur für Arbeit: So ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten unter den Geflüchteten 2018 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen - um gut 100.000 auf knapp 240.000. Menschen, die in Bäckereien, in Autowerkstätten oder in Restaurants arbeiten - sie fehlten, wenn gut integrierte Flüchtlinge abgeschoben würden.

Dass das SPD-geführte Bundesarbeitsministerium weiter für eine "praktische Lösung" plädiert und gut integrierten Menschen mit Arbeit erlauben will, in Deutschland zu bleiben, ist also richtig. Schon einmal ist die SPD in diesem Jahr eingeknickt, als es um die Frage ging, ob der Familiennachzug für Menschen mit eingeschränktem Schutzstatus eng begrenzt bleibt. Damals hat sich die CSU weitgehend durchgesetzt. Bleibt zu hoffen, dass die Sozialdemokraten diesmal standhaft bleiben.

Kommentar: Ablehnung des "Spurwechsels" wäre falsch
N. Bader, ARD Berlin
20.08.2018 17:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. August 2018 um 11:05 Uhr.

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