Kommentar

Kommentar in den tagesthemen Eine gespaltene Partei

Stand: 22.04.2018 20:49 Uhr

Das schlechte Ergebnis für Andrea Nahles zeigt, wie tief die SPD gespalten ist. Um wieder erfolgreich zu sein, müsste die Partei aufhören, sich mit sich selbst zu beschäftigen.

Ein Kommentar von Moritz Rödle, ARD-Hauptstadtstudio

Liebe SPD, Herzlich willkommen in der Gegenwart. 155 Jahre hat es gedauert, jetzt ist tatsächlich mit Andrea Nahles zum ersten Mal eine Frau Parteichefin. Das ist historisch - aber es ist auch die einzig richtig positive Nachricht aus Wiesbaden. Das Wahlergebnis ist das zweitschlechteste in der Geschichte der SPD. Die vielen Stimmen für die Herausforderin Simone Lange zeigen, dass die Partei weiterhin gespalten bleibt. Dabei hat die Flensburger Oberbürgermeisterin mit ihrem Auftritt auf diesem Parteitag noch nicht einmal richtig überzeugt.

Ende der innerparteilichen Debatten nicht in Sicht

Wahrscheinlich war es egal, wer gegen Nahles angetreten wäre, das Ergebnis wäre immer ähnlich ausgefallen. Viele Parteimitglieder misstrauen einfach der Parteiführung. Lange wandelte dieses Misstrauen in Delegiertenstimmen um. Für Nahles ist das ein großes Problem: Die SPD kann nur wieder Erfolg haben, wenn sie sich nicht mehr ständig mit sich selbst beschäftigt. Doch ein Ende der innerparteilichen Debatten ist bislang nicht in Sicht.

Dabei wollen die Wählerinnen und Wähler keinen Streit sondern Antworten auf die Probleme unserer Zeit. Nahles muss sich darum kümmern, dass sich die Partei inhaltlich klarer aufstellt, statt immer wieder Personaldiskussionen zu führen. Gleichzeitig muss sie aber auch die Vielfalt der Meinungen in der SPD erhalten und moderieren. Gerade die Sozialdemokraten müssen die Interessen von Oben und Unten in unserer Gesellschaft zusammenbringen. Nur wenn das klappt, kann das miese Wahlergebnis auch ein gutes Omen sein.

Lehren aus der Vergangenheit

Das allerschlechteste Ergebnis hatte nämlich Oskar Lafontaine im Jahr 1995. Drei Jahre später führte er die SPD jedoch gemeinsam mit seinem späteren Widersacher Gerhard Schröder zurück ins Kanzleramt. Daraus könnten viele in der SPD auch heute noch lernen. Streiten sollte man nicht in der eigenen Partei, sondern mit dem politischen Gegner.

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Über dieses Thema berichten die tagesthemen am 22. April 2018 um 22:45 Uhr.

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