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Kommentar
Europäische Hilfe für Spanien
Die Euro-Krise bleibt unbeherrschbar
Von Martin Bohne, MDR-Hörfunkstudio Brüssel
100 Milliarden - die Euro-Retter wollen bei ihrem mittlerweile vierten Rettungseinsatz nicht kleckern, sondern klotzen. 100 Milliarden für die Sanierung allein des spanischen Bankensektors - das ist deutlich mehr, als der Internationale Währungsfonds an Kapitalbedarf ermittelt hat. Man will die Finanzmärkte beeindrucken.
Natürlich ist Erleichterung angebracht, dass mit dieser ungeheuren Summe nun ein extrem gefährlicher Krisenherd in der Eurozone fürs Erste eingedämmt wird. Und das noch gerade so vor den Schicksalswahlen in Griechenland.
Europas Rettungsmaschinerie funktioniert also? Ich glaube kaum. Der Fall Spanien zeigt eher, was alles nicht funktioniert. Dass im spanischen Bankensektor sich was zusammenbraut, weiß man spätestens seit dem Platzen der Immobilienblase. Ein früheres Eingreifen hätte so manches erspart. Aber die spanischen Aufsichtsbehörden haben immer wieder alles schöngerechnet. Schlechter hätte man es nicht machen können, sagte EZB-Chef Draghi dazu. Europa musste hilflos zusehen.
Auch nach der Spanien-Rettung - die Eurokrise bleibt unbeherrschbar
M. Bohne, MDR Brüssel
11.06.2012 05:06 Uhr
Beim Löschen lieber nicht nass machen
Und schon lange ist klar, dass Spanien mit dem Problem nicht mehr allein fertig werden kann. Dennoch wollte sich die Regierung die bereit stehenden europäischen Löschfahrzeuge viel zu lange vom Leibe halten, weil man sich nicht nass machen wollte. Eine Rettungsaktion, auch wenn es sich im Falle Spaniens nur um eine auf den Bankensektor begrenzte handelt, wird von den Geretteten in erster Linie als Gesichtsverlust, als Einschränkung der Souveränität empfunden. Und Madrid pokert immer noch um möglichst geringe Auflagen und hat noch immer keinen offiziellen Hilfsantrag gestellt.
Wir schreiben das Jahr drei der Krise. Der Abgrund ist in Sichtweite, aber die politischen Akteure spielen unverdrossen weiter ihre Spielchen. Mit der Währungsunion haben sich die Euro-Staaten zur Schicksalsgemeinschaft zusammengeschlossen. Aber keiner will sich von der Gemeinschaft hereinreden lassen.
Masterplan nicht in Sicht
Die Eurozone will einfach - Fiskalpakt hin oder her - nicht zusammenrücken. Das kann nicht gut gehen, und das wird auch nicht gut gehen. Allerlei Ideen schwirren derzeit durch den europäischen Raum: Banken-Union, Fiskalunion, politische Union, Eurobonds. Für den nächsten Gipfel Ende Juni, so wird gemunkelt, sei der ganz große Schritt nach vorn in Vorbereitung - der Masterplan.
Die Umstände der Spanien-Rettung lassen solche Hoffnungen einmal mehr als hoffnungslos naiv erscheinen. Das Durchwursteln wird weiter gehen. Und das ist noch das optimistischste Szenario.
Stand: 11.06.2012 05:19 Uhr
