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Kommentar

Kämpfe auf der Halbinsel Sinai

Politisch kommt die Gewalt vielen wie gerufen

Von Hans Michael Ehl, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Die Gewalt auf dem Nordsinai kommt wie gerufen - für die ägyptische Armee. Sie kann sich jetzt wieder als starke Macht im Staat präsentieren. Seit dem Sturz von Langzeitpräsident Hosni Mubarak vor eineinhalb Jahren hat das ägyptische Militär viel Kritik einstecken müssen.

Zu langsam sei der Übergangsprozess zu mehr Demokratie gelaufen, nachdem die Militärs die politische Verantwortung im Land übernommen hatten. Zu hart ging die Armee gegen Kritiker vor, härter als Mubarak selbst. Zu beharrlich habe die Armee an der Macht gehangen und ihre Privilegien verteidigt - ohne Rücksicht auf Verluste.

Doch jetzt kann die Armee wieder das tun, wozu sie eigentlich da ist: die Außengrenzen des Landes schützen, gegen Extremisten mit Härte vorgehen, sich als Beschützer der Nation feiern lassen.

Ägypten: Wem nützt die Gewalt auf dem Nordsinai?
H. M. Ehl, ARD Kairo
08.08.2012 16:41 Uhr

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Auch Mursi kann die Krise nutzen

Auch der neue ägyptische Präsident Mohammed Mursi kann aus dieser Krise gestärkt hervorgehen. Dazu muss er sich aber scharf abgrenzen gegen die Muslimbruderschaft, die ihn ins Amt gehievt hat und die jetzt Israel die Schuld an der Eskalation der Gewalt gibt. Israel habe, heißt es auf der Internetseite der Muslimbrüder, die Gewalt selbst in Auftrag gegeben, um den ägyptischen Präsidenten zu schwächen und einen Keil zwischen Ägypter und Palästinenser zu treiben.

Mursi tut gut daran, nicht in dieses Horn zu stoßen. Alles andere würde ihn außenpolitisch diskreditieren und die Vorbehalte bestätigen, er sei - als ehemaliger Muslimbruder - ein Feind Israels und wolle den Friedensvertrag mit dem ungeliebten Nachbarn zur Disposition stellen. Für Mursi ist das ein Balanceakt, den er bisher einigermaßen meistert.

Israel erhält einen Vorwand für höhere Sicherheitsvorkehrungen

Zuletzt profitiert auch Israel von der Gewalt - trotz der berechtigten Sorge um die Sicherheit an der Grenze zu Ägypten. Denn die Gewalt gibt Israel den Vorwand, auch an dieser Grenze die Sicherheitsvorkehrungen zu erhöhen. Und die Bedrohung von Seiten Ägyptens, die seit Mubaraks Sturz immer wieder aus dem Hut gezaubert wurde, scheint sich zu bewahrheiten wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Den Menschen auf dem Sinai ist zu wünschen, dass sie in Ägypten endlich die Aufmerksamkeit bekommen, die ihnen gebührt. Seit Monaten werden sie von selbst ernannten islamischen Glaubenskämpfern terrorisiert. Ihre Hilferufe in Richtung Kairo wurden lange nicht erhört. Es brauchte erst die Eskalation mit dem Nachbarn Israel, um eine entschiedene Reaktion aus der Hauptstadt zu bekommen. Hoffentlich bleibt die Aufmerksamkeit auch dann wach, wenn die ägyptische Armee ihre Aufgabe erfüllt hat und die Lage wieder beruhigt ist.

Stand: 08.08.2012 17:16 Uhr

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