Kommentar

Demonstration gegen die Absetzung Sharifs | Bildquelle: REUTERS

Sharifs Absetzung Die Raffgier bleibt

Stand: 28.07.2017 14:57 Uhr

Pakistans Regierungschef Sharif muss gehen - doch wie geht es mit dem Land nun weiter? Wenig Hoffnung auf Besserung sieht Jürgen Webermann. Denn: Der Fall Sharif zeige, dass Politiker und ihre Clans - nicht nur in Pakistan - raffgierig und selbstherrlich seien.

Ein Kommentar von Jürgen Webermann, ARD-Studio Südasien


Dass Nawaz Sharif gehen muss, ist richtig und konsequent. Schon die Enthüllungen der "PanamaPapers" im vergangenen Jahr warfen drängende Fragen auf. Woher hatte die Familie Sharif all die Millionen für ihre Londoner Wohnungen? Warum musste eine Offshore-Firma her, wenn denn alles angeblich so legal gewesen sein soll? Warum hatte Sharif diese Besitztümer nicht offen gelegt?

Sharif wollte die Enthüllungen und die Proteste der Opposition, die zeitweise das halbe Land lahm legten, einfach aussitzen. Unterstützung hatte er, denn Sharif hat das Land - zumindest für pakistanische Verhältnisse - etwas stabilisiert. Es gab etwas weniger Terror, die Wirtschaft wuchs zuletzt um passable fünf Prozent, selbst die Armee hat nicht geputscht.

Aber Sharif hat nie schlüssig darlegen können, woher die Millionen für die Immobilien stammten.

Ein angeblich entlastendes Dokument

Als die Luft am Ende dünner wurde, kam Panik dazu - und die Familie machte Fehler. Maryam Sharif, die Tochter und politische Erbin des Premiers, legte ein angeblich entlastendes Dokument aus dem Jahr 2006 vor und verbreitete diese unter dem Hashtag "Die Wahrheit" keck und aggressiv in den sozialen Medien. Aber das Dokumente war in der Schriftart Calibri geschrieben, die jeder vom Betriebssystem Microsoft Windows kennt. Dumm nur, dass Calibri erst 2007 für Windows-Nutzer auf den Markt kam, also ein Jahr, nachdem das angeblich entlastende Dokument geschrieben worden sein soll. Höchstwahrscheinlich war es also gefälscht. Der spöttisch "Calibri-Gate" genannte Skandal im Skandal ist zwar nur ein Detail, aber bezeichnend.

Wie geht es weiter?

Und damit sind wir beim Knackpunkt des heutigen Polit-Dramas in Islamabad, der Frage, wie es jetzt weiter gehen wird. Leider gibt es wenig Hoffnung. Dass Politiker und ihre Clans nicht nur raffgierig, sondern auch selbstherrlich sind, das ist nicht nur in Pakistan, sondern auch beispielsweise im Nachbarland Indien absolut normal.

Den Reichtum zur Schau tragen

Ein politisches Amt ist eine tolle Geldquelle, man muss nur dreist genug die Hand aufhalten. Weil das so selbstverständlich ist, tragen die Amtsinhaber ihren Reichtum auch ganz offen zur Schau - während in den Städten und Dörfern pro Jahr hunderttausende Kinder an Unterernährung sterben und der Staat häufig völlig versagt.

Der Fall von Nawaz Sharif wird an dieser politischen Perversion kaum etwas ändern.

Pakistan nach dem Sturz von Ministerpräsident Sharif
Jürgen Webermann, ARD Neu-Delhi
28.07.2017 14:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 28. Juli 2017 um 12:02 Uhr.

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