Kommentar

Jeff Sessions und Donald Trump | Bildquelle: REUTERS

Anhörung im US-Senat Trumps Kofferträger

Stand: 14.06.2017 03:08 Uhr

Die Anhörung im US-Senat hat gezeigt, dass Justizminister Sessions für seinen Chef durchs Feuer geht. Seine Loyalität ist grenzenlos. Kritisiert werden ausschließlich andere. Trump kann sich glücklich schätzen.

Ein Kommentar von Sabrina Fritz, ARD-Studio Washington

Wenn der Justizminister der Vereinigten Staaten unter Eid aussagt, sollte man ihm glauben. Jeff Sessions hat vehement und emotional beteuert, er habe nicht mit den Russen über die US-Wahl gesprochen. Ihm vorzuwerfen, er wollte die Wahl beeinflussen sei eine abscheuliche Lüge, sagte der Mann vor dem Geheimdienstausschuss.

Mindestens zweimal hatte Sessions mit dem russischen Botschafter vor der Wahl gesprochen. Einmal im Juli, einmal im September. Zu dieser Zeit hatten die Geheimdienste bereits mehrfach davor gewarnt, dass Moskau Einfluss auf die Wahl genommen habe. Zum Beispiel mit Falschmeldungen über Clintons Gesundheitszustand oder ihre Mitgliedschaft in einem Kinderpornoring. WikiLeaks hatte Tausende von E-Mails von Clinton-Mitarbeitern veröffentlicht - aber nicht eine aus dem Trump-Team.

Derartige Gespräche mit Moskau vergisst man nicht

Wenn Sie zwei Monate vor der Wahl einen Termin mit dem russischen Botschafter gehabt hätten, worüber hätten Sie mit ihm gesprochen. Wetter? Wodka? Sexpartys mit Trump in einem russischen Hotel? Sanktionen? Oder hätten Sie ihm gesagt: Hey Mr. Kisljak, sagen sie mal ihrem Boss in Moskau, er soll die Finger aus unseren Wahlurnen lassen? Justizminister Sessions sagte, er könne sich nicht daran erinnern, mit dem Russen über die Wahl gesprochen haben. Selbst wenn die Männer den gesamten Wodka Bestand der russischen Botschaft in Washington vernichtet hätten, so etwas vergisst man nicht.

Jeff Sessions war bei dieser Befragung der Kofferträger, der alles tut, um seinen Boss zu schützen. Seine Loyalität zu Trump ist grenzenlos, das ist eine Erkenntnis dieser Anhörung. Nicht ein Wort kam über seine Lippen, was er mit Trump über die Russland-Sache besprochen hatte. Bei dieser engen Beziehung störte ein Mann: Ex-FBI Chef James Comey. Ihn hat er vor den Bus geworfen, wie die Amerikaner sagen.  

Kein gutes Wort über Comey

Sessions verlor kein gutes Wort über seinen ehemaligen Mitarbeiter. Er schütze ihn nicht vor dem Druck aus dem Weißen Haus. Ja, er feuerte ihn wegen angeblicher schlechter Amtsführung und der Clinton E-Mails und Trump erzählt später, stimmt alles nicht, es war natürlich wegen der Russland-Sache.

Eine Demütigung, für die Sessions in der Befragung keine Worte fand. Welche Rolle die Russen bei der Wahl gespielt haben, ist immer noch nicht klar. Dass Russland über das Internet Stimmung gegen Clinton und für Trump gemacht hat, bestreitet in den USA kaum noch jemand, selbst der Justizminister nicht. Die Frage ist, ob es dafür im Gegenzug irgendwelche Versprechungen gab. Bei dieser Frage ist man nach vielen Anhörungen nicht einen Schritt weiter.

Es gibt immer wieder Vermutungen, dass die Antwort auf diese Frage in Trumps Steuererklärung liegt. Dass es etwas mehr mit Geld als mit Politik zu tun hat. Aber auch dafür gibt es bislang keine Beweise. Und solange Trump im Justizministerium einen Mann hat, der für ihn durchs Feuer geht, wird es diese vielleicht auch nicht geben.

Sollte Moskau tatsächlich Trump die Leiter ins Weiße Haus gehalten haben, hat es sich jedenfalls nicht ausgezahlt. Der US-Senat hat die Sanktionen gegen Russland gerade ausgeweitet.

Redaktioneller Hinweis

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Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 13. Juni 2017 um 00:20 Uhr und NDR Info am 14. Juni 2017 um 07:20 Uhr.

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