Kommentar

Bayerns Ministerpräsident und CSU-CHef Horst Seehofer | Bildquelle: dpa

Seehofers Personaldebatte Der Meister des Ungefähren

Stand: 17.10.2016 13:38 Uhr

Horst Seehofer hat eine Personaldebatte eröffnet, vor der er seine Partei noch vor Kurzem warnte. Ein echter Seehofer eben. Der Meister des Ungefähren schließt nichts aus und hält sich alle Optionen offen. Hintergrund dürfte ein interner Machtkampf sein.

Ein Kommentar von Mathias Zahn, ARD-Hauptstadtstudio

Das ist mal wieder ein echter Horst Seehofer: Vor einer Woche mahnt er seine CSU noch, man brauche jetzt keine Personaldiskussion. Am Wochenende heizt er die Spekulationen dann aber so richtig an. Nach seinem Interview-Aufschlag in einer Sonntagszeitung ist aber eigentlich nur eines klar: Seehofer hält sich alle Optionen offen. So wie er es liebt. Jeder kann in seine Aussagen das hineininterpretieren, was er will.

Was Seehofer will, das bleibt sein Geheimnis. Schon seit einiger Zeit sagt er intern: Der nächste CSU-Chef müsse in Berlin am Kabinettstisch sitzen, um die Durchschlagskraft der CSU zu halten, beziehungsweise zu steigern. Jetzt lobt Seehofer öffentlich die Ämtertrennung als Erfolgsmodell, verweist auf die Vergangenheit mit Tandems wie Stoiber und Waigel. Dass die CSU mit der Doppelspitze Beckstein und Huber 2008 ihre absolute Mehrheit verspielte, lässt Seehofer unerwähnt.

Die Doppelspitze sei jetzt notwendig, weil sich die politische Situation total verändert habe. Weil im nächsten Bundestag wahrscheinlich sieben Parteien sitzen werden, sagt Seehofer voraus - ohne natürlich die Parteien zu nennen, denn der Meister des Ungefähren hat gesprochen.

Nichts ist ausgeschlossen

Wie es weitergeht - darüber darf kräftig spekuliert werden: Will der CSU-Chef bleiben und sich in Berlin als Minister unter Merkel in die Kabinettsdisziplin einordnen? Oder will er Ministerpräsident bleiben und den neuen CSU-Chef nach Berlin schicken? Oder hört er im kommenden Jahr ganz auf und überlässt seinen Nachfolgern die schwierige Aufgabe, die absolute Mehrheit bei der Landtagswahl 2018 zu verteidigen? Ausgeschlossen hat Seehofer mit seinen Aussagen nichts.

Und warum kommt er gerade jetzt damit? Ist ihm die Doppelbelastung zu anstrengend? Viele in der CSU sehen einen anderen Grund: Seehofer nimmt einen neuen Anlauf, um seinen Intimfeind Markus Söder als Nachfolger zu verhindern. Denn Söder hat kategorisch ausgeschlossen, nach Berlin zu gehen und wehrt sich mit allen Kräften dagegen, in die Hauptstadt abgeschoben zu werden.

Seehofer hat den Druck auf Söder jetzt auf jeden Fall erhöht. In der CSU sprechen einige schon von einem brutalen Machtkampf zwischen den beiden. Ein Machtkampf, in dem es Seehofer gerade einmal wieder zu genießen scheint, dass er am längeren Hebel sitzt und sich alle Möglichkeiten offen hält. Eine andere Frage ist, ob Seehofer überhaupt schon weiß, was er eigentlich will.

Kommentar zu Seehofer: Machtspiele im Ungefähren
M. Zahn, ARD Berlin
17.10.2016 13:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. Oktober 2016 um 07:50 Uhr.

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