Kommentar

Ein SPD-Parteianhänger mit einem Obamas Wahlkampf nachempfundenen Plakat mit einem Bild des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz | Bildquelle: dpa

SPD-Wahlschlappe Mitschuldig durch Nichtstun

Stand: 08.05.2017 19:14 Uhr

Sicher, Torsten Albig ist verantwortlich für seine Wahlniederlage. Aber auch SPD-Chef Schulz versäumte es, Inhalte zu liefern. Nun weiß man auch oft nicht, wofür Merkel steht, aber das stört offenbar kaum. Schulz hingegen muss ackern.

Ein Kommentar von Uwe Lueb, SWR, ARD-Hauptstadtstudio

Die Wahl in Schleswig-Holstein ist ein Beispiel für Nutzen oder Schaden durch Nichtstun. Sicher - verantwortlich für die Niederlage seiner SPD ist vor allem Torsten Albig. Er hat es nicht geschafft, den Amtsbonus zu nutzen, den Regierungschefs immer haben. Er präsentierte sich seinen Landsleuten nicht als Landesvater, was Wählerinnen und Wähler offenbar ganz gern mögen.

Und er gab im Wahlkampf einer Illustrierten ein Interview über sein Privatleben, das bei vielen seiner Ex-Frau gegenüber als despektierlich ankam. Obendrein trauen die Menschen seiner SPD bei drängenden Problemen inhaltlich zu wenig zu. Auch daran ist Albig Schuld.

Nichts Neues von Schulz

Das alles konnte ein SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz nicht ausbügeln. Zwar redete er im Wahlkampf im Land hier und da feurig. Aber - und das ist sein Versäumnis - er brachte nicht genug Inhalte rüber. Da war nichts Neues. Mit der bekannten Zustandsbeschreibung mancher Ungerechtigkeit im Land ist es nicht getan. Die Menschen erwarten mehr. Da wundert es nicht, wenn 60 Prozent der Wahlberechtigten in Schleswig-Holstein vor der Wahl sagen, dass sie nicht recht wissen, wofür Schulz steht.

Heute, einen Tag nach der Wahl, mit einer wirtschaftspolitischen Grundsatzrede um die Ecke zu kommen, ist da mindestens schlechtes Timing. Natürlich hat Schulz seinem Parteifreund Albig nicht direkt geschadet. Durch inhaltliches Nichtstun half er ihm aber auch nicht.

Merkel darf Nichtstun, Schulz muss ackern

Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel machte im Grunde genommen das Gleiche. Bei ihr weiß man auch nicht so recht, wofür sie steht - beziehungsweise in welche Ecke sie sich wahlweise von der CSU oder der AfD als nächstes treiben lässt. Aber - und das ist der Unterschied zu Schulz - an ihrer Wechselhaftigkeit und Kohl'schen Fähigkeit, Dinge auszusitzen, stören sich die Menschen weniger. Schon gar nicht in Schleswig-Holstein. Im Gegenteil: Hier ist Merkel besonders beliebt. 72 Prozent im Land sind mit ihr zufrieden - immerhin zehn Punkte mehr als im übrigen Deutschland.

Schulz dümpelt dagegen überall bei unter 50 Prozent. Merkel verleiht ihrer CDU also offenbar Rückenwind ohne besonderes Zutun. Wenn dagegen Schulz nichts macht, ist das schädlich - am Ende auch für ihn selbst. Nun zog Albig Schulz mit in den Schatten - wie im März schon die Genossen im Saarland. Sollte kommenden Sonntag auch noch Nordrhein-Westfalens SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft aus dem politischen Scheinwerferlicht treten müssen, wird es dunkel um Schulz. Die Bundestagwahl wird er dann kaum mehr gewinnen können. Was auch immer er bis dahin noch tut - oder nicht tut.

Niederlage der SPD: Schaden durch Nichtstun
U. Lueb, ARD Berlin
08.05.2017 18:42 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. Mai 2017 um 20:00 Uhr.

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