Kommentar

Forderungen nach Sanktionen Schröders Geschäft, deutsches Interesse

Stand: 19.03.2018 11:27 Uhr

Sanktionen gegen Gerhard Schröder? Eine völlig überzogene Forderung. Dass Schröder russische Projekte vorantreibe, sei kein Skandal, sondern ein Vorteil für die deutsche Wirtschaft.

Ein Kommentar von Frank Wahlig, ARD-Hauptstadtstudio

Warum denn Sanktionen gegen Gerhard Schröder? Weil der ukrainische Außenminister es vorschlägt? Weil Schröder für Gazprom arbeitet? Hat er etwas anderes verbrochen, außer seinen Interessen nachzugehen?

Die in Teilen deutsche Interessen sind: direkte Gaslieferungen von Russland nach Lubmin, Vorpommern, ohne Umweg über Polen oder die Ukraine. Dann haben diese Länder keinen Zugriff auf Lieferungen. Blöd auch.

Russisches Gas für deutsche Wirtschaft

Schröder treibe Projekte des russischen Präsidenten Wladimir Putin voran, so der Vorwurf. In der Tat treibt er Projekte voran, die für die deutsche Energiesicherheit enorm wichtig sind. Pipelines in der Ukraine arbeiten nicht störungsfrei, vorsichtig ausgedrückt.

In Deutschland werden die Atomkraftwerke abgeschaltet, die Kohleverstromung nimmt ab. Wie soll das Land Energie für seine Industrie sicherstellen? Durch Windräder und Sonnenpaneele etwa? Nein: russisches Gas ist auch Treibstoff der deutschen Wirtschaft.

Je unabhängiger die Versorgung ist, desto besser ist es für den Standort Deutschland. Das ist Schröders Geschäft, das ist deutsches Interesse. Es ist kein Skandal, dass Schröder für diese Projekte arbeitet. Es ist sogar von Vorteil.

Nicht nur Altkanzler, sondern auch Vermittler

Der Grüne Cem Özdemir sagt, Schröder sei Putins Propagandist. Ist aber deshalb die Gaspipeline überflüssig oder schlecht? Der politisch klein gewordene Grüne sucht mit großen Sprüchen so etwas wie mediale Aufmerksamkeit. Nur inhaltlich ist es nicht wichtig, was Özdemir sagt, weil es an der Sache vorbei geht.

Schröder macht aus seinem Nach-Kanzler-Leben kein Geheimnis. Er macht, was er macht, gelegentlich vermittelt er auch - in deutschem Interesse. An der Freilassung des Journalisten Deniz Yücel war er beteiligt. Schon vergessen?

Und über Schröder laufen politische Kontakte nach Russland - das ist nützlich und wichtig. Gut so und weiter so.

Schröders Geschäfte: auch in deutschem Interesse
Frank Wahlig, ARD Berlin
19.03.2018 11:40 Uhr

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