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Kommentar
Diskussion um Schavan
Das geht gar nicht!
Von Silke Engel, RBB, ARD-Hauptstadtstudio
Nein, es hat nun wirklich gar nichts mit Wahlkampf zu tun. Oder mit einer Welle der empörten Öffentlichkeit, die Unschuldige mitreißt. Wenn Wissenschaftler in einer Doktorarbeit nachweisen, dass Gedanken übernommen wurden, ohne die Fundstellen sauber anzugeben, sind elementare Kriterien des wissenschaftlichen Arbeitens verletzt. Dann hat eine Promotion ihre Berechtigung verloren. Punkt.
Dabei ist es egal, wer eine solche fehlerhafte Arbeit geschrieben hat: der Kaiser von China, die Bundesbildungsministerin und Vertraute der Kanzlerin oder der Otto-Normal-Student.
Kommentar: Schavan als Forschungsministerin unhaltbar
S. Engel, ARD Berlin
06.02.2013 12:30 Uhr
Fünf, zehn oder 30 Jahre - egal
Zugegeben: Es ist durchaus tragisch, dass all das nach mehr als 30 Jahren herauskommt. Und dass Annette Schavan keine schlechte Ministerin ist. Ganz im Gegenteil: Vieles hat sie für Wissenschaft und Forschung in Deutschland erreicht. Doch an den Täuschungen in ihrer Promotion ändert das nichts. Sie hat schlicht und einfach Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens verletzt.
Insofern spielt es auch keine Rolle, wann und in welchem Fach Annette Schavan promoviert hat und ob vor fünf, zehn oder 30 Jahren. Denn diese Regeln zur Angabe von Fundstellen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht geändert. Nur das Aufspüren von Plagiaten fällt heutzutage aus technischen Gründen leichter.
Keine leichte Entscheidung der Uni
Juristisch verjährt außer Mord fast alles, heißt es nun. Ist es also fair, sich nach mehr als 30 Jahren Schavans Doktorarbeit noch einmal vorzuknöpfen? Aber selbstverständlich! Wenn es Zweifel an der wissenschaftlichen Integrität gibt. Es geht ja nicht um eine Neubewertung einer alten These aufgrund aktueller, bisher nicht da gewesener Forschungen. Es geht um Urheberrechte, um Ideenklau in Reinkultur. Wenn die Wissenschaft das nicht bestraft - welchen Wert hat sie dann noch?
Insofern finde ich es billig, der Universität Düsseldorf jetzt die Schuld in die Schuhe zu schieben. Nach dem Motto: überfordert, nicht verschwiegen genug und ohne externes Gutachten. Die Wissenschaftler werden sich die Entscheidung nach gut neun Monaten Prüfung bestimmt nicht leicht gemacht haben. Schließlich steht ihr Ruf auf dem Spiel. Und nicht nur ihrer.
Die Koalition in der Glaubwürdigkeitsfalle
Doch auch Annette Schavan sollte das Vertrauen von Angela Merkel nicht zu sehr ausreizen. Noch kann sie gehen, sich ganz auf die Klage gegen die Universität konzentrieren und später vielleicht an ihrem Comeback arbeiten. Wird sie erst von der Kanzlerin fallen gelassen, kann sie ihre Karriere als Politikerin komplett vergessen. Zumal sie alle in der Koalition mit in diese Glaubwürdigkeitsfalle reißt.
Schavans Unterstützer haben Recht: Als Forschungsministerin braucht man keinen Doktortitel. Doch Schavan hat sich nun mal diesen akademischen Titel – man muss wohl sagen – ergaunert. Das geht gar nicht, vor allem nicht, um glaubwürdig den Forschungsstandort Deutschland zu repräsentieren. Oder wer akzeptiert einen Steuerhinterzieher als Bundesfinanzminister?
Stand: 06.02.2013 14:20 Uhr
