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Kommentar
Kommentar zu Plagiatsvorwürfen gegen Schavan
Schlechter Stil im Umgang mit der Ministerin
Von Sarah Renner, SWR, ARD-Hauptstadtstudio
Das muss nochmal gesagt werden, bevor Bundesbildungsministerin Annette Schavan voraussichtlich im journalistischen Sturm der Empörung untergehen wird: Die Art und Weise, wie die Plagiatsvorwürfe gegen die Bundesbildungsministerin öffentlichkeitswirksam aufgearbeitet werden, das ist schlicht schlechter Stil.
Ein Wissenschaftler der Uni Düsseldorf kommt in seinem Gutachten über die Doktorarbeit der Bildungsministerin zu einem für Schavan verheerenden Ergebnis. Bevor es dazu eine Zweitmeinung gibt und vor allem, bevor die Betroffene selbst dazu Stellung nehmen kann, wird das Gutachten an die Presse weitergeleitet.
Das ist keine Bagatelle! Diese Umkehr der - allein schon von den Regeln der Fairness - gebotenen Reihenfolge in der Aufarbeitung der Plagiatsvorwürfe, nimmt Annette Schavan die allerletzte Möglichkeit, ihr Ministeramt und damit - vielleicht ist es wichtig, sich das in der allgemeinen Erregung nochmal kurz bewusst zu machen - ihren Ruf, ihre berufliche Existenz zu retten.
Schavan hat das Recht, das Gutachten zuerst zu lesen
Schavan hat das Recht das Gutachten zuerst zu lesen. Und: Sie sollte das Recht haben, sich zu äußern. Und zwar nicht in der Zeitung, sondern erstmal unter Ausschluss der Öffentlichkeit der Universität.
Für all das ist es jetzt zu spät. Der Sturm aus veröffentlichter Erregung und hämischer Empörung ist bereits auf Orkanstärke angeschwollen. Dass viele, die jetzt den Rücktritt der Ministerin fordern, den Unterschied zwischen wissenschaftlichem Paraphrasieren und Zitat vermutlich selbst nicht genau definieren könnten, verstärkt den schalen Beigeschmack.
Kommentar: Schlechter Stil im Umgang mit Schavan
S. Renner, ARD Berlin
15.10.2012 12:05 Uhr
Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Die Vorwürfe gegen Annette Schavan wiegen sehr schwer. Dass eine Ministerin für Bildung und Forschung, die bei ihrer Doktorarbeit nicht sauber gearbeitet hat, gehen muss - geschenkt. Trotzdem: Es sind hohe Standards, die wir an eine 32 Jahre alte Doktorarbeit anlegen. Welche Standards bei der Aufarbeitung solcher Vorwürfe gelten, sollte uns nicht egal sein.
Stand: 15.10.2012 13:19 Uhr
