Kommentar

Huthi-Kämpfer in der Nähe des Hauses von Saleh | Bildquelle: REUTERS

Tod von Saleh Schlechte Nachricht für den Jemen

Stand: 04.12.2017 17:39 Uhr

Zumindest kurzfristig ist Salehs Tod ein Erfolg für die Huthi-Rebellen und eine Schlappe für Saudi-Arabien. Das letzte Fünkchen Hoffnung Riads auf eine baldige Niederlage der iranischen Verbündeten ist erloschen. Für den Jemen bedeutet das nicht Gutes.

Ein Kommentar von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

"Den Jemen zu regieren, ist wie das Tanzen auf den Köpfen von Schlangen" - dieser Ausspruch von Ali Abdullah Saleh wurde berühmt. Und Saleh meisterte diese Kunst wie kein anderer.

Mehr als 30 Jahre lang hatte er sich als Präsident des Jemen im Amt halten können, bis zu seinem Sturz im Zuge des sogenannten Arabischen Frühlings 2012. Dann vollzog er eine Wende, er machte seine einstigen Gegner, die Huthis, zu seinen Verbündeten und kämpfte gegen seinen Nachfolger an der Staatsspitze.

Am Wochenende vollzog Saleh dann eine weitere atemberaubende Wende. Er kündigte die Partnerschaft mit den Huthis auf und machte deutlich, dass er und seine Gefolgsleute wieder in das arabische Lager zurückkehren wollen.

Saleh kämpfte nur für sich

Auch den Huthis dürfte von Anfang an klar gewesen sein, dass ihr Pakt mit Saleh nicht von Dauer sein würde. Denn der einstige Langzeitherrscher kämpfte nie für Grundüberzeugungen und politische Prinzipien, sondern immer nur für sich, für seine Macht und dafür, dass seine Familie auch weiterhin die Geschicke des Landes bestimmen würde.

Welche Folgen das jüngste Manöver haben würde, war schwer abzusehen. Aber es war wahrscheinlich, dass es die weitere Entwicklung des Bürgerkriegs im Jemen entscheidend beeinflusst hätte. Jetzt ist zumindest dies klar: Mit dem Überlaufen in das Lager von Saudi-Arabien lief das Glück von Saleh, dem ewigen Überlebenskünstler, aus.

Die Huthis bezichtigten ihn am Wochenende des Verrats; nun jagten sie sein Wohnhaus in die Luft und meldeten später, er sei getötet worden. Salehs gewaltsamer Tod war also eine direkte Folge seiner Abkehr von den Huthis.

Damit ist nun auch jedes Fünkchen Hoffnung der saudischen Führung in Riad erloschen, dass die letzte Wende des ehemaligen jemenitischen Präsidenten zu einer baldigen militärischen Niederlage der Huthis führen würde.

Aberwitziges Ansinnen der Huthis

Die Saudis hatten sofort ihre Kampfjets umdirigiert und während der letzten Tage ausschließlich Ziele der Huthis in der Hauptstadt Sanaa angegriffen - aber nicht mehr Stellungen von Anhängern Salehs.

Der Jemen steht nun vor weiteren schwierigen Stunden und Tagen. Es ist denkbar, dass die Gefechte zwischen Salehs Anhängern und den Huthis noch heftiger werden, vor allem in Sanaa. Die Huthis - berauscht von dem tödlichen Schlag, der ihnen gegen Saleh gelang - dürften sich einbilden, Oberwasser zu haben.

Dennoch bleibt ihr Ansinnen, das gesamte Land regieren zu wollen, aberwitzig. Gleichzeitig werden die Saudis ihre Luftangriffe wohl verstärken. Nichts deutet darauf hin, dass auch nur einer der beteiligten Akteure ein Einsehen mit den Zivilisten hat, die so lange schon unter den fürchterlichen Folgen des Kriegs leiden.

Weiterhin schwierige Lage im Jemen
Carsten Kühntopp, ARD Kairo
04.12.2017 17:42 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Dezember 2017 um 17:00 Uhr.

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