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Kommentar
Pannenserie im US-Wahlkampf
Totalausfall Romney tut Obama einen Gefallen
Von Ralph Sina, WDR-Hörfunkstudio Washington
Barack Obama kann sich bei Mitt Romney bedanken. Einen besseren Wahlhelfer als diesen arrogant-dümmlich daher schwadronierenden Republikaner kann es gar nicht geben.
Romney bringt es tatsächlich fertig, fast die Hälfte aller Amerikaner als Sozialschmarotzer zu disqualifizieren, die den amerikanischen Traum längst gegen eine soziale Hängematte eingetauscht hätten. Und die geradezu parasitär auf eine staatliche Rundumversorgung fixiert seien. Diese sich selbst bemitleidenden Würstchen könnten mit einem wirtschaftlichen Helden und Kämpfer für das ur-amerikanische Prinzip der Selbstverantwortung gar nichts anfangen, lautet Romneys Botschaft. Sondern nur mit einem Wohlfahrtsstaatsideologen wie Obama. Der kann sich bei Romney für die entlarvende Offenheit bedanken.
Grenzenloser Zynismus
Ausgerechnet der Multimillionär Mitt Romney, der in allen Steuerparadiesen dieser Welt zuhause ist, erregt sich über jene Amerikaner, die angeblich keine Steuern zahlen.
Romneys Zynismus ist so grenzenlos wie die Zahl seiner steuerlichen Abschreibungstricks. Der Mann, der Präsident aller Amerikaner werden möchte, verhöhnt ausgerechnet jene Millionen von Wählern, die trotz mehrerer Jobs und trotz gnadenloser Selbstausbeutung zu wenig verdienen um überhaupt einkommenssteuerpflichtig zu werden. Die trotz einer 70-Stunden-Woche von staatlichen Lebensmittelmarken abhängig sind.
Selbst ein höchst unbeliebter US-Präsident wie George W. Bush zeichnet sich im Rückblick geradezu durch Volksnähe aus, wenn man ihn mit Romney vergleicht, der den erbärmlichen Zustand der Republikaner geradezu perfekt personifiziert.
Kommentar: Mitt Romney - Obamas perferkter Wahlhelfer
R. Sina, WDR Washington
19.09.2012 01:03 Uhr
Obama kann sich freuen, Amerika nicht
Eine Partei, die von rechtsextremen Tea-Party-Aktivisten beherrscht wird kann nur ein höchst peinliches Spitzenpersonal produzieren. Kluge konservative Kandidaten haben in der Partei des ehemaligen Sklavenbefreiers Abraham Lincoln auf absehbare Zeit keine Chance.
Obama kann sich mit Blick auf seine Wahlchancen darüber nur freuen. Amerika allerdings nicht. Denn jene, die den Totalausfall Romney zum Präsidentschaftskandidaten machten, werden dafür sorgen, dass auch nach der Wahl ultrarechte Republikaner im Repräsentantenhaus das Sagen haben. Die jede Investition in Amerikas Bildungssysteme blockieren und die gegen die Mehrheit der Bevölkerung agieren.
Die Enteignung des amerikanischen Mittelstandes zugunsten der Superreichen wird weitergehen, auch wenn der Präsident nicht Mitt Romney heißt. Darüber kann Obama nur deprimiert sein. Trotz aller klammheimlichen Freude über seinen besten Wahlhelfer Romney.
Stand: 19.09.2012 01:31 Uhr
