Kommentar

AfD darf keinen Erfolg haben Das sind wir den Ermordeten schuldig

Stand: 26.01.2017 21:19 Uhr

Die AfD will, dass die Erinnerung an das schlimmste Kapitel der deutschen Geschichte in unseren Köpfen verblasst. Eine solche Partei darf in Deutschland keinen Erfolg haben: Das sind wir den Millionen Ermordeten von Auschwitz schuldig.

Ein Kommentar von Georg Restle, WDR

Tausende Schuhe von ermordeten Frauen, Männern und Kindern. Bläulich verfärbte Gaskammern, und ein Berg aus Erde und Asche - das sind meine Bilder von Majdanek, einem der schlimmsten ehemaligen Vernichtungslager des NS-Regimes.

Ich war 17 Jahre alt, als sich diese Bilder bei mir eingeprägt haben. Bilder, die ich seitdem nicht mehr losgeworden bin.

Drei Wochen war ich damals dort. Drei Wochen Erinnerungsarbeit, Schuhe putzen und konservieren - und jeder Schuh stand für einen Menschen, der in Majdanek ermordet worden war. Diese drei Wochen haben mein Leben verändert, meinen Blick auf die Menschen und auf dieses Land. Und sie haben einen Gedanken tief in mein Herz gepflanzt: dass die Erinnerung an dieses Verbrechen niemals enden darf.

Bis heute bin ich überzeugt davon, dass es diese Art von Erinnerung ist, die Spuren hinterlässt. Eine unmittelbare Begegnung jenseits von Ritualen. Eine lebendige Erinnerungskultur, die aus vielen, die sich auf eine solche Reise begeben - auch davon bin ich überzeugt - bessere Menschen macht.

Kommentar von Georg Restle, WDR
tagesthemen , 26.01.2017

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"Das sind wir den Ermordeten schuldig"

Dass eine Partei wie die AfD in Baden-Württemberg jetzt Reisen von Kindern und Jugendlichen in solche Gedenkstätten einschränken will, weil hier kein positives Bild von Deutschland vermittelt werde, dass sie Fördermittel für eine NS-Gedenkstätte im Ausland streichen will, weil dies nicht zu den "Kernaufgaben" eines Landes gehöre - all das zeigt: Diese Partei will, dass die Erinnerung an das schlimmste Kapitel der deutschen Geschichte in unseren Köpfen verblasst.

Man mag über die AfD denken, was man will. Man kann ihre Vorstellungen zur Flüchtlingspolitik gut oder schlecht finden. Aber eine Partei, die für eine solche Politik steht und die einen Mann in ihrer Führungsriege duldet, der die Erinnerung an den Holocaust als lästig und lächerlich empfindet, eine solche Partei darf in diesem Land keinen Erfolg haben. Das sind wir - jeder einzelne von uns - den Millionen Ermordeten von Auschwitz oder Treblinka, von Sobibor oder Majdanek schuldig.

Redaktioneller Hinweis

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 26. Januar 2017 um 22:15 Uhr.

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