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Von Marc Engelhardt, ARD-Hörfunkstudio Nairobi
Zwei Millionen Barrel Öl reichen aus, um auf der politischen Bühne für ordentlich Bewegung zu sorgen. Seit somalische Piraten den saudischen Supertanker "Sirius Star" mit seiner kostbaren Ladung in ihrer Gewalt haben, hat die ganze Welt den Übeltätern den Kampf angesagt. NATO, EU und Vereinte Nationen fordern mehr Marineschiffe vor dem Horn von Afrika, und auch die Bundesregierung kündigt an, dabei zu sein.
Denn die Piraten bedrohen ein Rückgrat der Weltwirtschaft. Ökonomen warnen: wegen der Überfälle auf hoher See könnten schon bald die Preise für Importe aus Asien steigen. Das will man sich - zumal in Zeiten der Rezession - nicht gefallen lassen. Die Piraten sollen bleiben, wo sie herkommen: in Somalia.
Dass es die Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit nach fast 18 Jahren Bürgerkrieg ist, die die meist jungen Männer in die Piratenboote treibt, spielt hingegen keine Rolle. Das organisierte Verbrechen - und dazu gehören die Hintermänner der Piraterie - macht in Somalia nur deshalb so gute Geschäfte, weil das regierungslose Land in mörderischer Anarchie versunken ist. Im vergangenen Jahr wurden in Somalia mehr als 10.000 Menschen getötet und eine Million vertrieben, drei Millionen Somalis leiden Hunger.
Von Aktivität, um die Lage an Land zu verbessern, ist dennoch nichts zu spüren. Niemand ist bereit, die nötigen Truppen zu entsenden, um Somalia wieder eine staatliche Ordnung zu geben. Dabei könnte man von Land aus die Seeräuber deutlich besser und schneller besiegen als auf der hohen und weiten See. Doch das Risiko ist selbst dem UN-Sicherheitsrat zu groß. So muss Somalia weiter leiden, während der Westen vor der Küste seinen Lebensstil verteidigt. Zwei Millionen Barrel Öl bewegen politisch nun mal mehr als drei Millionen Hungernde.
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