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Von Stefan Troendle, SWR, Rom, zurzeit Berlin
Es ist eigentlich schon ein ziemlicher Treppenwitz der Geschichte, dass Benedikt XVI. bei seinem allerersten Auftritt im Bundestag einen seiner Schwerpunkte auf die Ökologie und die Natur des Menschen legte und dass dann ausgerechnet diese Rede von Teilen der Grünen boykottiert wurde und der Abgeordnete Ströbele den Plenarsaal verließ.
Benedikt hat übrigens auf die Proteste gegen seinen Deutschlandbesuch cool und absolut professionell reagiert. Er sagte, diese seien eben ein Teil der Freiheit, dagegen könne man nichts sagen - und nahm damit seinen Gegnern mal kurz den Wind aus den Segeln. Ansonsten erscheint das parlamentarische Gegacker um seinen Auftritt im Reichstag im Nachhinein als reichlich albern.
Altlinke, die fürchteten, dass durch die päpstlichen Worte vielleicht ihr Gewissen hätte beschädigt werden können, mussten vielleicht enttäuscht feststellen, dass dem dann doch nicht so war. Im Gegenteil: Ratzinger im Reichstag, das war nämlich wieder mal Professor Papst mit seinem Lieblingsthema, dem großen Klassiker "Glaube und Vernunft" at its best.
Das heißt: Es war eine über weite Strecken doch recht verkopft akademische, wissenschaftliche Vorlesung, die - mit Verlaub - für den Durchschnittshörer doch eher recht langweilig war. Oder wie würden Sie Sätze wie "Grundlegend ist zunächst die These, dass zwischen Sein und Sollen ein unüberbrückbarer Graben bestehe" beurteilen?
Das Hauptthema der Rede war der Unterschied von Gut und Böse, das Rechtsverständnis im allgemeinen und im besonderen, die Aufgaben von Politikern. Es gab die klassische Aussage zum Positivismus - dass also die allein faktenbezogene Wissenschaft nicht ausreicht - und die Betonung der gemeinsamen Wurzeln der europäischen Kultur aus der Begegnung von Jerusalem, Athen und Rom.
Fazit: Auch wenn Bundestagspräsident Lammert Benedikts Ansprache anschließend als wichtigen Beitrag zur Diskussion um ethische Grundlagen im demokratischen Rechtsstaat bezeichnete und das Echo überwiegend positiv war:
Das Highlight war der erste Auftritt des deutschen Papstes im deutschen Parlament an sich - der ja schließlich an ganz Deutschland gerichtete Inhalt war es wohl eher nicht - und so manch Abgeordneter dürfte sich nach Benedikts Ansprache insgeheim trotz minutenlangem Applaus gefragt haben, was er denn nun mit der päpstlichen Botschaft wohl anfangen soll.
Dass Benedikt XVI. das anders und vor allem deutlicher kann, das hat er schon oft bewiesen. Unter anderem bei seiner Großbritannien-Reise im letzten Jahr in der Westminster Hall waren die Inhalte seiner Aussagen wesentlich greifbarer. Warum er keine verständlicheren und bürgernäheren Worte gewählt hat - das weiß nur er selbst. Trotzdem, auch wenn man mit dem Begriff vorsichtig umgehen sollte, das war - unabhängig vom Inhalt - ein historischer Besuch.
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