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10.02.2010

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Kommentar: Friedensnobelpreis als schwere Hypothek
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Friedensnobelpreis als schwere Hypothek

Von Ralph Sina, WDR-Hörfunkstudio Washington

Gut gemeint hat es das Friedensnobelpreis-Komitee mit Barack Obama, dem außergewöhnlich Gutmeinenden im Weißen Haus, der stets den Dialog will - auch mit den bösesten Gegnern der USA, ganz gleich ob sie Iran oder Nordkorea heißen. Obama, der von einer atomwaffenfreien Welt träumt, vom Frieden im Nahen Osten, von einer gegenseitig inspirierenden und respektvollen Beziehung zur islamischen Welt. Ein Mann, der die Raketenschild-Pläne für Osteuropa ad acta legt, bevor sie Russlands de-facto-Machthaber Putin auf immer höhere Barrikaden treiben. Und jemand, der sogar mit Amerikas Republikanern zusammenarbeiten will, obwohl die ihn eigentlich auf den Mars wünschen - oder zumindest nach Kenia, in das Heimatland seines Vaters.

Und dennoch: Obama will auch mit diesen härtesten innenpolitischen Gegnern zusammenarbeiten - zum Wohle Amerikas. Ein Amerika, das in Obamas Vorstellung nicht zerrissen ist in schwarz und weiß, arm und reich, demokratisch und republikanisch - sondern eben ein vereintes Amerika ist. Ein Amerika, vereint in Obamas Sehnsucht nach Abrüstung, rationalem Dialog und sozialem Ausgleich.

Der Redner und Visionär Obama hat den Friedensnobelpreis in der Tat verdient, allerdings  bereits vor sechs Jahren, als er als einziger Demokrat laut und deutlich auf dem Parteitag seine Stimme gegen Bushs Irakkrieg erhob. Doch Obama wird jetzt nicht als Parteitagsredner ausgezeichnet, nicht als friedensbewegter Wahlkämpfer und nicht als Visionär, sondern als Präsident der Vereinigten Staaten. Und als US-Präsident hat er bisher keine Friedenserfolge nachzuweisen.

Im Gegenteil: Obamas Truppenaufstockung in Afghanistan provoziert immer mehr Opfer. Schon bald wird seine Forderung nach zusätzlichen Kampfeinheiten auch im Bundeskanzleramt eintreffen. Der Afghanistan-Krieg sei sein Krieg, tönt Obama immer wieder, als wolle er beweisen, dass nicht nur sein Vorgänger George W. Bush, sondern auch er selbst Krieg zu führen versteht. Allerdings den richtigen.

Obama ist ein kämpferischer Friedensnobelpreisträger. Nur kämpft er leider am Hindukusch den richtigen Kampf auf die falsche Weise. Das simple und nobelpreisunwürdige Rezept "immer mehr Soldaten" wird dort keinen Frieden vor den Taliban bringen.  

Auch im Nahen Osten hat Friedensnobelpreisträger Obama bisher wenig Friedensstiftendes bewegt. Im Gegenteil: Israels Premier Netanjahu rammt immer neue Siedlungen ins besetzte Westjordanland - trotz des Flehens Obamas an die Adresse Tel Avivs, doch endlich einzulenken, die Siedlungsneubauten wenigsten zu reduzieren. Und endlich das Wort Zweistaatenregelung nicht immer nur mit Abscheu zu artikulieren.

Das Nobelpreiskomitee hofft, dass die Unfriedlichen in aller Welt endlich zu etwas mehr Vernunft kommen. Wenn sie erst einmal einem Friedensnobelpreisträger namens Barack Obama gegenübersitzen. Doch das ist eine allzu leicht durchschaubare und deshalb trügerische Hoffnung.

Der Iran wird weiter heimlich an der Bombe bauen, Nordkorea weiter Atomwaffen testen. Und einen Friedensvertrag zwischen Israel und Palästinensern wird ein Präsident Obama ebenso wenig erleben wie die Kapitulation der Taliban in Afghanistan.

Der Friedensnobelpreis bewirkt nur eines: Er wird zusätzliche Enttäuschung über Obama provozieren. Die Verleihung an den US-Präsidenten ist gut gemeint, de facto aber leider dumm und kontraproduktiv. Der Preis ist nichts als eine gigantische Hypothek. Und damit das Letzte was Obama zur Zeit brauchen kann.

Stand: 09.10.2009 17:35 Uhr
 

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