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Latenter Rassimus bei US-Wahl
Barack Obama

Latenter Rassismus könnte US-Wahl entscheiden

Von Anna Engelke, NDR-Hörfunkstudio Washington

Barack Obama (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Der "Anwalt der US-Amerikaner" - Barack Obama ]
Nach DER Rede und DEM Parteitag müsste Barack Obama im November zum nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt werden. Während seines Auftritts gestern Abend hat der 47jährige gezeigt, dass er nicht nur Pathos kann, sondern auch kleinteilige Politikentwürfe. Das zielt weniger auf den Bauch wie die Sprechchöre "Yes, we can", sondern mehr auf den Kopf. Aber genau dort sind eben die Sorgen, die sich viele, viele Amerikaner über ihre Zukunft machen: Woher nehme ich das Geld zum Tanken, um mein Haus abzubezahlen, das Studium der Kinder zu finanzieren und dann auch noch eine Krankenversicherung abzuschließen? Barack Obama hat seinen Landsleuten in den vergangenen Monaten zugehört und will ihr Anwalt sein. Darum hat er sich in seiner Rede beworben.

Und er hat die Rückendeckung des gesamten Parteitags – sogar die des sperrigen Ehepaars Clinton. Das ist nach diesem harten und langen Vorwahlkampf zwischen Hillary Clinton und Obama eine bemerkenswerte Leistung. Ob die Clintons das wirklich alles so meinen, was sie Gutes über den Senator aus Illinois gesagt haben, sei mal dahingestellt. Aber wie die beiden in ihren Auftritten in Denver für Barack Obama geworben haben, das war eine Klasse für sich. Was würde sich Kurt Beck freuen, wenn sich auf einem SPD-Parteitag seine Gegner mit derart furiosen Reden hinter ihn stellten?

Nach den vier Tagen in Denver geht es nun um die Frage: Hat der demokratische Präsidentschaftskandidat bessere Chancen im November zu gewinnen? Ganz nüchtern betrachtet sprechen viele Fakten für Barack Obama: Mit George W. Bush sitzt seit acht Jahren ein extrem unpopulärer Präsident im Weißen Haus. Die Wirtschaftslage ist mies, Amerika in einem Ausmaß verschuldet, dass das deutsche Haushaltsloch plötzlich mickrig erscheint. Außerdem führen die USA Krieg in zwei Ländern – im Irak und in Afghanistan. Und schließlich: der republikanische Gegner John McCain ist zwar ein verdienter Kriegsheld und erfahren, aber er ist vor allem eins: mit seinen 71 Jahren richtig alt. Ganz nüchtern betrachtet müsste ein Kandidat vom Kaliber Obama  also in den Umfragen vor John McCain liegen. Tut er aber nicht. Das mag zum Teil an seiner Unerfahrenheit liegen, aber das liegt vor allem daran, daß Barack Obama aussieht wie er aussieht. Nämlich eher schwarz und nicht weiß.

Wäre Obama weiß und hieße zum Beispiel Jack Miller, würde er bei dieser Ausgangslage mit an Sicherheit angrenzender Wahrscheinlichkeit die Wahl gewinnen. Die Vorbehalte gegen Obama wegen seiner Hautfarbe sind groß: Einige sagen es offen, wie eine Taxifahrerin in Denver, die ihn für einen Radikalen hält, weil ihrer Ansicht nach alle Schwarzen radikal sind. Oder wie die über achtzigjährigen weißen Männer in Houston (Texas), die "keinen negroe, also keinen Neger" im Weißen Haus haben wollen. So offen wie die alten Männer geben das die wenigsten in den USA zu. In Umfragen sagen lediglich vier bis fünf Prozent der Amerikaner, dass sie nicht für einen schwarzen Kandidaten stimmen würden. Die eigentliche Zahl aber dürfte höher liegen. Genau an dieser Stelle kommt es auf einen der zentralen Begriffe aus Obamas Wahlkampagne an: Auf "hope", auf die Hoffnung. Nämlich die Hoffnung, dass es in den USA im November eine hauchdünne Mehrheit gibt, die sich nicht vor dem schwarzen Kandidaten fürchtet, sondern die Qualitäten dieses außergewöhnlichen Mannes sieht und erkennt, dass er einer von ihnen ist.

Stand: 07.10.2008 20:27 Uhr
 

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