Kommentar

Rede zur Lage der Nation "Obamas Leistungen werden heute unterschätzt"

Stand: 13.01.2016 09:34 Uhr

In seiner Rede an die Nation rechnet Obama mit den Republikanern ab und spricht von einem starken Amerika. Damit hat er recht. Doch obwohl es den Amerikanern besser geht als vor vier Jahren, ist die Stimmung schlecht.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Vielleicht war es Obamas letzte große Rede vor 30 Millionen US-Bürgern an den Bildschirmen. Deshalb nutzte er die Chance, den düsteren Befürchtungen vieler Republikaner die optimistische Vision eines "Amerika mit klarem Blick und offenem Herzen" entgegenzusetzen.

Fremdenfeindlichen Äußerungen von Trump und Co und ihre Pauschalkritik am Islam verurteilte Obama als "Verrat an amerikanischen Werten". Und ihren Klageliedern über die Schwäche der USA stellte er bewusst die Aussage entgegen: "Amerika ist die stärkste Nation der Welt. Punkt!"

Amerikanern geht es besser als vor vier Jahren

In der Tat stehen die USA heute deutlich besser da als vor Obamas Amtsantritt: Es gab fünf Jahre kontinuierlichen Wirtschaftsaufschwung, die Arbeitslosenquote wurde von zehn auf fünf Prozent halbiert und die Autoindustrie und der Häusermarkt boomen. Dank Obamacare sind mittlerweile neun von zehn US-Bürgern krankenversichert.

"Geht es Ihnen heute besser als vor vier Jahren?" Würden sich die Amerikaner bei der Präsidentschaftswahl im November an dieser berühmten Frage von Ronald Reagan orientieren, dann dürften die Republikaner eigentlich keine Chance haben, das Weiße Haus zu erobern. Aber erstmals seit Langem bestimmt nicht die Wirtschaftslage die Stimmung im Land, sondern die Sorge um die nationale Sicherheit.

Schlechte Stimmung entspricht nicht der objektiven Lage

Auch deshalb hängt in seinem letzten Amtsjahr viel davon ab, ob Obama Fortschritte im Kampf gegen den IS erreicht und ob es gelingt, das Land vor Terroranschlägen zu bewahren. Dennoch hat Obama recht, wenn er vor Hysterie warnt und ein zuversichtliches Fazit zieht: Der Zustand der Nation ist stark. Die schlechte Stimmung entspricht nicht der objektiven Lage. Auch Obamas Leistungen werden heute unterschätzt – im eigenen Land wie im Ausland.

Kommentar zu Obamas letzter Rede zur Lage der Nation
M. Ganselmeier, NDR, Washington
13.01.2016 10:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Januar 2016 um 12:00 Uhr.

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