Kommentar

Recep Tayyip Erdogan  | Bildquelle: REUTERS

Wahl in den Niederlanden Wahlhelfer Erdogan

Stand: 15.03.2017 22:51 Uhr

Die Verbalattacken des türkischen Präsidenten Erdogan gegen die Niederlande haben Rutte geholfen - konnte sich der Ministerpräsident doch als Hardliner profilieren. Damit hat sich Erdogan unfreiwillig zum Wahlhelfer für die EU gemacht.

Ein Kommentar von Ralph Sina, ARD-Studio Brüssel

Erdogan hat Wilders den Wind aus den rechtspopulistischen Segeln genommen - indem er Ministerpräsident Mark Rutte die Gelegenheit gab sich als Hardliner zu profilieren. Erdogans Marionetten mussten draußen bleiben: Erst durfte der türkische Außenminister nicht in den Niederlanden landen, dann Erdogans Familienministerin bei ihrem Rotterdam -Ausflug nicht ins türkische Generalkonsulat.

Rutte demonstrierte, dass auch die niederländische Gastfreundlichkeit neue Grenzen hat. Wer die Demokratie durch eine Erdogan-Autokratie ersetzen will, der kommt erst gar nicht rein, lautet seine Botschaft. "Respekt, Respekt" musste da sogar der Türkei- und Islam-Hasser Geert Wilders murmeln. Der mit einem Erdrutschsieg in den Niederlanden der Turbolader für Frankreichs rechtsreaktionäre Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen werden sollte.

Erdogan hat Wilders und Co. geschwächt

Erdogan sei Dank taugt Wilders ab sofort nicht mehr als dynamischer Wahlkampfhelfer für Le Pen, die der forsche Geert bereits zur nächsten Präsidentin Frankreichs ausrief. Auch Frauke Petry wird in Zukunft auf den Verlierer Wilders dankend verzichten. Und seine Hasstiraden gegen marokkanische und türkische Einwanderer, gegen Imame, Moscheen und den Islam ganz generell.

Erdogan hat mit seinen wüsten Verbalattacken auf die Niederlande Wilders und alle Gesinnungsgenossen geschwächt. Ob in Frankreich, Deutschland, Österreich oder Italien. Die EU hat Erdogan damit unfreiwillig gestärkt. Juncker sollte den Sultan aus Ankara im Gegenzug demonstrativ als Ehrengast zur 60-Jahr-Feier der Europäischen Union Ende März nach Rom einladen. Es wäre eine schallende politische Ohrfeige. Die Erdogan mehr als verdient hat - für seine Politik der Freiheitsberaubung.

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Dieser Beitrag lief am 16. März 2017 um 07:41 Uhr auf WDR 5.

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