Kommentar

Wahl in den Niederlanden An sich selbst gescheitert

Stand: 16.03.2017 10:46 Uhr

Geert Wilders wollte die Parlamentswahl in den Niederlanden gewinnen und den Siegeszug der Neuen Europäischen Rechten anführen. Doch daraus wurde nichts. Schuld daran ist nicht seine Politik, sondern er selbst.

Ein Kommentar von Ludger Kazmierczak, ARD-Studio Den Haag

Die Niederländer haben sich für Stabilität und gegen das Chaos entschieden. Der Sieg für Premier Mark Rutte ist kein Liebesbeweis der Wähler. Nein, viele haben nur für ihn gestimmt, um Geert Wilders zu verhindern. Wieder mal hat es nicht gereicht für den Rechtsausleger der niederländischen Politik. Wie schon bei der Europawahl bleibt der Populist hinter den Erwartungen zurück.

Wilders, Chef und einziges Mitglied seiner Partei für die Freiheit, wollte den Siegeszug der Neuen Europäischen Rechten anführen. Im April sollte sich ihm Marine Le Pen anschließen, im September dann Frauke Petry. Einen patriotischen Frühling hatte er prophezeit. Daraus wurde nichts. Warum?

Im politischen Abseits

Wilders hat es nicht geschafft, weil er sich selbst ins politische Abseits manövriert hat. Nicht so sehr wegen seiner Politik. Christdemokraten und Rechtsliberale haben sich sogar einige seiner Positionen zu eigen gemacht, sind selbst nach rechts gerutscht. Was es so schwer macht, einen Wilders zu mögen, ist diese beleidigende, diffamierende Art - sein aggressiver Ton gegenüber Parlamentskollegen und allen, die nicht seiner Meinung sind.

Als nach und nach fast alle Parteien eine Zusammenarbeit mit ihm ausschlossen, fiel er in den Umfragen zurück. Warum einen Kandidaten wählen, der sowieso nicht regieren wird, haben sich die Wähler gedacht. Rutte hat außerdem im Konflikt mit der Türkei durch sein konsequentes und energisches Auftreten punkten können. Und trotz der unanständigen Vorwürfe aus Ankara blieb er recht gelassen. Nur nicht provozieren lassen, lautete seine Devise.

Pöbelnder und polternder Populist

Nicht auszudenken, mag manchem Wähler durch den Kopf gegangen sein, Wilders wäre in dieser Situation Regierungschef gewesen. Der Premier hat potenzielle Wilders-Anhänger davon überzeugt, dass er am rechten Rand des politischen Spektrums eine Alternative zum pöbelnden und polternden Populisten ist. Auch entschlossen, nationale Interessen durchzusetzen, aber mit Stil und Anstand.

Auch die politischen Entwicklungen in England und den USA dürften viele niederländische Wähler nachdenklich gemacht haben. Der Brexit und der unberechenbare US-Präsident zeigen eindrucksvoll, wie Populisten innerhalb kürzester Zeit viel Porzellan zerschlagen können. Rutte hat vor dieser Wahl gesagt, er hoffe nicht, dass der Dominostein umkippt und dann auch die Steinchen in Frankreich und Deutschland zu Fall bringen wird. Der holländische Stein ist stehen geblieben. Im April geht das Spiel weiter – dann in Paris.

Kommentar zur Wahl in den Niederlanden
L. Kazmierczak, ARD Den Haag
16.03.2017 10:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die Tagesschau am 16. März 2017 um 09:00 Uhr.

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