Kommentar

Mehrere Anschlüsse von Netzwerkkabeln nebeneinander | Bildquelle: dpa

Netzneutralität Das freie Internet muss bleiben

Stand: 15.12.2017 14:58 Uhr

Die Einführung des Zwei-Klassen-Internets in den USA hätte vor allem für den Nutzer Nachteile. Auch in Deutschland ist das freie Internet nicht selbstverständlich - siehe Telekom.

Ein Kommentar von David Zajonz, WDR-Wirtschaftsredaktion

Bislang galt im Netz ein einfacher Grundsatz: Alle Daten werden gleich behandelt, egal von wem sie kommen. Der Fachbegriff dafür lautet Netzneutralität. Gleiche Chancen für alle: Dass das Internet die Welt so sehr verändert hat, liegt auch an genau diesem Grundsatz. Die US-Regulierungsbehörde FCC hat ihn jetzt abgeschafft.

Wer zahlt, hat Vorfahrt

Damit ist die Tür für ein Zwei-Klassen-Internet weit offen. Wer Geld zahlt, dessen Daten kommen schneller an. Wer nicht zahlt, bleibt auf der Strecke. Das freie Internet, wie wir es kennen, wäre damit Geschichte.

Das Internet hat unsere Art zu kommunizieren grundlegend verändert. Jeder hat eine Stimme. Das tut manchmal weh, vor allem wenn diese Stimme für Hass-Kommentare genutzt wird. Es bedeutet aber auch mehr Gleichheit und Freiheit. Jeder kann einen Video-Podcast in seiner Küche produzieren und ihn ins Netz stellen. Künftig wird möglicherweise der Geldbeutel darüber entscheiden, ob man mit seinem Angebot und seiner Meinung schnell bei anderen Nutzern ankommt.

Innovation würde schwieriger

Große Konzerne wie Facebook oder Netflix könnten Geld an die Internetanbieter zahlen, damit ihre Daten bevorzugt behandelt werden. Für die Internetanbieter wäre das ein lukratives Geschäft.

Aber es gäbe viele Verlierer. Kleine Startups hätten kaum noch Chancen mit ihren Diensten in den Markt zu kommen. Die schnelle Datenzustellung könnten sie sich nicht leisten. Innovation würde dadurch schwieriger und seltener. Damit wären am Ende die Internetnutzer die großen Verlierer. Denn sie hätten weniger Angebote zur Auswahl.

Netzneutralität auch bei uns in Gefahr

In Deutschland ist die Netzneutralität durch strenge EU-Regeln geschützt. Aber wenn die USA das freie Internet abschaffen, kann das auch bei uns Folgen haben. Schließlich sorgen gerade US-Unternehmen für Innovation im Netz. Außerdem könnte der Druck steigen, die Regulierung auch in Europa zu lockern.

Schon jetzt versuchen Internetanbieter in Deutschland die Netzneutralität auszuhöhlen. Beispiel Telekom: Deren Angebot "Stream On" schafft beim mobilen Internet zwei Klassen von Diensten: Partnerdienste und alle anderen. Daten, die beim Surfen mit Partnerdiensten verbraucht werden, werden nicht vom monatlichen Datenvolumen der Telekom-Kunden abgezogen. Auf bestimmten Videoplattformen können Nutzer also unbegrenzt Videos schauen. Schauen sie Videos auf einer alternativen Videoplattform, ist das Datenvolumen schnell weg.

Nur das freie Internet sichert große Auswahl

Mit dem, was jetzt in den USA möglich wird, ist das zwar nicht vergleichbar. Denn die Telekom beteuert, jeder könne zum Partnerdienst werden. Die Partner müssten dafür kein Geld an die Telekom zahlen. Einen Vertrag mit dem Internetanbieter müssen sie aber trotzdem abschließen.

Ein anderes Argument: Für die Kunden sei es doch super, wenn sie ihre Lieblingsdienste nutzen können, ohne dass sie dadurch Datenvolumen verlieren. Doch das ist zu kurz gedacht. Denn die Bevorzugung einzelner Dienste heißt, dass für Kunden der Zugriff auf andere Dienste teurer wird. So verlockend solche Angebote für die Kunden aussehen mögen - jede Einschränkung der Netzneutralität, werden sie teuer bezahlen. Nur das freie Internet sichert eine große Auswahl, viel Innovation und Meinungsfreiheit.

Redaktioneller Hinweis

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Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 15. Dezember 2017 ab 18:30 Uhr im "Echo des Tages".

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