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Kommentar

Merkel gegen Steinbrück im Bundestag

Die ersten Strategien des Wahlkampfs

Von Frank Wahlig, SWR

Der Mann ist sein Geld wert. Er kann vor Bänkern und vor Abgeordneten reden. Er kann erklären, warum er was meint. Das ist unterhaltsam. Es ist hörenswert, was er sagt und wie er es sagt. Peer Steinbrück macht vor Fakten und Wissen nicht halt. Er kann ironisch und er kann giftig. Er kann Kanzlerkandidat.

Steinbrücks Rede hatte zwei Adressaten: Einmal die Regierung, die schlechte, schlampige, unfähige. Und dann die Abgeordneten und Funktionäre seiner eigenen Partei, der SPD. Denen musste er beweisen, dass er es kann. Deshalb arbeitete der Kandidat eine Liste ab: Schlechte Regierung, gutes Land und wunderbare Bürger, soziale Spaltung und niedrige Löhne, gute Frauen und ihr Streben nach Gleichberechtigung, höhere Steuern und gutes Haushalten.

Merkel zeigt kein Interesse an ihrem Herausforderer

Hoch anzurechnen ist Steinbrück, dass er kein einziges Mal vom kleinen Mann und seinen Nöten sprach. Das wäre nun wirklich etwas abgeschmackt gewesen. Soviel Beinfreiheit muss sein. Doch der Linie der Sozialdemokraten näherte sich Steinbrück an. Das wird bei den Funktionären auf Zustimmung stoßen.

Von der Beinfreiheit, die er für sich beanspruchte, machte Steinbrück in der Generaldebatte des Bundestages kaum Gebrauch. Dazu ist es noch zu früh und die Diskussion um Nebeneinkünfte ist noch zu frisch.

Der Herausforderer richtete seine Rede an die Kanzlerin, die er ersetzen möchte. Und die Kanzlerin  zeigte in ihrer Erwiderung überhaupt kein Interesse am Kandidaten und Konkurrenten. Aber Merkel ging auf Steinbrücks Kritik ein und zeigte, dass die Medaille offenbar zwei Seiten hat.

Kommentar zu Steinbrücks Rede
F. Wahlig, ARD Berlin
21.11.2012 17:11 Uhr

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Gute Regierung, schlechte Regierung

Dem "Steinbrück'schen Motto", die Regierung sei so schlecht, hielt sie ein "Merkel'sches Motto", die Regierung sei gut, entgegen. Und Merkel konnte dies genauso folgerichtig begründen, wie es Steinbrück mit seiner Auffassung tun konnte.

Beispiel Europolitik: Steinbrück weiß, was zu tun ist - sagt er, der sozialdemokratische Pfadfinder aus dem Jammertal der Krise. Und Merkel? Sie macht keinen Hehl daraus, dass es keine einfachen Lösungen gibt, dass der Weg lang sein wird, dass unterwegs nachgesteuert werden muss, je nachdem, was politisch geschieht. Deutschland ist bislang recht gut durch die Krise gekommen. Merkel bot sich für ein Weitermachen an, und das ziemlich selbstbewusst. Sie bot der Opposition das "Mitmachen" an.

Merkel hat die Macht, Steinbrück sucht seine Rolle

Ihren früheren Finanzminister Steinbrück erwähnte sie kein einziges Mal. Ignorieren statt streiten. Das überlässt die Kanzlerin anderen. Da zeigen sich erste Strategien des Wahlkampfes. Die Kanzlerin als über den Problemen stehend. Der Herausforderer sucht ihre Aufmerksamkeit, und er erhält sie nicht.  Steinbrück arbeitet sich ab, erst einmal.

Angela Merkel hat die politische Macht auf ihrer Seite. Das weiß sie. Damit arbeitet sie. Damit grenzt sie ab. Die Kanzlerin ist bei der Arbeit und der Kandidat sucht seine Rolle, er sucht die Aufmerksamkeit der Kanzlerin und die Aufmerksamkeit seiner Partei.

Der Schlagabtausch heute war ein Versuch. Das Duell steht noch aus.

Stand: 21.11.2012 20:04 Uhr

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