Kommentar

Merkel und die CDU Im Abgang versöhnt

Stand: 07.12.2018 15:26 Uhr

Merkel hat mit ihrem Verzicht auf den Parteivorsitz nicht nur ihrem Nachfolger einen optimalen Neustart ermöglicht. Sie hat auch die Partei versöhnt, die ihrer zuletzt überdrüssig war.

Ein Kommentar von Tom Schneider, ARD-Hauptstadtstudio, zzt. Hamburg

Tränen auf den Wangen gestandener Mannsbilder, Plakate der Dankbarkeit und minutenlanger Applaus: Die Szenen, die sich am Mittag in den Hamburger Messehallen abspielten, hätte Angela Merkel vor ein paar Monaten niemand zugetraut. Und doch ist es sie allein, die den Parteitag - der ihren Abschied vom Vorsitz beschließen wird - noch einmal in beeindruckender Weise hinter sich versammelt hat.

Noch am Ende der Sommerpause hätten wohl nicht wenige auch innerhalb der CDU gern mal "Merkel muss weg"- Plakate gereckt. Der Frust über verlorene Wahlen, lächerlich anmutende Querelen der Großen Koalition und der Aufstieg der Populisten der AfD ließ die Partei mit ihrer Vorsitzenden hadern. Dass all dies heute wie weggeblasen scheint, ist Beleg dafür, dass Merkel zum richtigen Zeitpunkt die Kurve bekommen hat.

Neuer Blick auf Ära Merkel

Ihr Entschluss, den Parteivorsitz abzugeben, bedeutet nicht nur eine neue Ära für die CDU, sondern auch eine neue Phase des Blicks auf die Ära Merkel. Die scheidende Vorsitzende selbst hat ihrer Partei ein mildes Urteil über die 18 Jahre mit ihr ermöglicht. Das ist auch wichtiges Fundament für den neuen Vorsitzenden, wer immer es wird.

Merkel erinnerte in ihrer Abschiedsrede an die verstörenden Momente am Ende der Regentschaft Helmut Kohls, als sie das Zepter übernahm. Einen solchen Scherbenhaufen hat Merkel der CDU am Ende erspart. Das schafft ihrem Nachfolger Beinfreiheit, sich gleich morgen der Zukunft der CDU zu widmen. Die Partei dankte das Merkel mit einem beeindruckenden Zeichen von Loyalität. Vor allem dafür standen die Tränen der Delegierten.

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. Dezember 2018 um 15:00 Uhr.

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