Kommentar

Machtkampf bei der Linken Gruppentherapie im Glaskasten

Stand: 17.10.2017 22:12 Uhr

Die Führung der Partei Die Linke ist seit langem tief zerstritten, das Spitzenpersonal belauert sich misstrauisch. Auch nach dem mühsam gefundenen Kompromiss im Machtkampf bleibt die Richtungsfrage ungeklärt. So meldet sich die Linke als Oppositionspartei ab.

Ein Kommentar von Julia Krittian, ARD-Hauptstadtstudio

Popcorn forderte ein Fraktionsmitglied in Potsdam - bei so viel filmreifem Drama. Erneut zeigt sich: Zusammengewachsen ist diese Partei noch immer nicht. Zwar trat das linke Spitzenpersonal im Wahlkampfendspurt so geschlossen auf wie noch nie, doch die Ruhe hielt gerade mal bis zur ersten Hochrechnung.

Julia Krittian, MDR, kommentiert den Flügelstreit innerhalb der Linken
tagesthemen 22:15 Uhr, 17.10.2017

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Seitdem kritisiert Sahra Wagenknecht wieder "Fehler in der Flüchtlingsfrage". Parteichefin Katja Kipping hingegen preist in jedem Interview Zuwächse bei urbanen Wählern, die eine weltoffene Politik suchen. Das passt inhaltlich schwer zusammen - menschlich sind sich die beiden Damen ohnehin seit langem spinnefeind.

Alle beschädigt

Nun hat Kipping auf offener Bühne die Machtfrage gestellt und die Partei in einen Showdown gezwungen, der alle zu beschädigen drohte. Am Ende wurde aus dem großen Knall eher ein Popcorn-Ploppen. Ein Kompromiss stellt den Burgfrieden wieder her, doch die Richtungsfrage bleibt ungeklärt. Der Konflikt etwa in der Flüchtlingspolitik dürfte weiter schwelen. Wagenknechts Rücktrittsdrohung und ihr Brandbrief an die Fraktion offenbaren eine Führungsriege, die sich in Machtgier und Missgunst gegenseitig belauert und bekämpft.

Die vielen neuen Abgeordneten wirkten mitunter regelrecht verschreckt ob dieser Darbietung. Sie waren über weite Strecken Statisten, dazu verdonnert, abzuwarten, bis sich die vier Hauptpersonen im Nebenraum einigen. Gruppentherapie im Glaskasten, denn die versammelte Hauptstadtpresse konnte durch große Fenster in die versteinerten Gesichter blicken.

Bei diesem Schauspiel muss man sagen: Gut, dass die Linke nicht mehr Oppositionsführer ist. Sie scheint einer solchen Aufgabe derzeit nicht gewachsen. Statt wichtige gesellschaftliche Debatten voranzutreiben und den politischen Rechtsruck aufs Korn zu nehmen, zerfleischt sie sich lieber selbst. Schade eigentlich.

Redaktioneller Hinweis

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 17. Oktober 2017 um 22:15 Uhr.

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