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Von Andreas Meyer-Feist, ARD-Hörfunkstudio Wien, zzt. Zagreb
Es ist die übliche Banal-Dialektik, die wie ein Fluch alles erfasst, was mit der EU und Brüssel zu tun hat: Bringt viel, ist aber zu teuer. Gut zum Mitentscheiden, aber andere haben das letzte Wort. Gute Gemeinschaft, aber drin sind die falschen - siehe Griechenland. All diese Debatten wurden vor dem Referendum auch in Kroatien wieder vorexerziert. Am Ende kam doch ein Ja zur EU zustande - also auch zu allem, was nicht gefällt und verbesserungswürdig ist.
Genau so muss es sein. Das zeigt den Sinn für die Realität jenseits der naiven EU-Euphorie, die der EU nicht hilft. Kroatien gehört längst in die Europäische Union - mehr denn je, wenn man sieht, wer schon alles dazugehört.
Und auch das muss gesagt werden: Kroatien hat sich viel gefallen lassen müssen. Der Kandidat wurde so genau auf Herz und Nieren überprüft wie keiner vor ihm. Kroatiens Triumph ist also durchaus eine Beschämung für gewisse andere Regierungen, die mit überheblichem Anspruchsdenken in der EU weit gekommen sind - gemeint ist nicht nur Griechenland. Kroatiens Bürger haben das gewusst - diejenigen, die mit der EU eh nichts anfangen können, sind zu Hause geblieben. Um so stärker sind die Stimmen derjenigen ins Gewicht gefallen, die für die EU eingetreten sind. Gerade jetzt in der Krise. Dieses EU-Referendum hat trotz relativ geringer Beteiligung gezeigt: Es lohnt sich für etwas einzutreten - gerade dann, wenn andere nicht mitmachen wollen und sich ganz verweigern.
Wenn Kroatien im nächsten Jahr das 28. Mitglied der Europäischen Union wird, dann sollte das zu einem starken Zeichen der EU-Erneuerung werden. Es gilt, die demokratische Struktur der Europäischen Union zu verbessern. Die Bürger müssen sich viel intensiver mit der EU identifizieren können. Sie müssen sich in Brüssel vertreten fühlen - und nicht von Brüssel bevormundet oder sogar der EU ausgeliefert. Eine Stärkung des EU-Parlaments ist überfällig. Die dauernden Debatten über Euro-Rettungsschirme, die bis heute kaum mehr gebracht haben als Verdruss, müssen beendet werden.
Niemandem ist gedient, wenn die EU zu einer Art multilateraler Mobbing-Gesellschaft der Regierungschefs wird - ein Kampfplatz der großen Mächtigen und kleinen Ohnmächtigen. Die unselige Debatte um Ungarn zeigt, wie sehr sich die EU selber schadet, wenn dann auch noch Sanktionen ins Spiel kommen. Am Ende befördert Brüssel damit nur die EU-Kritik, aber keine ehrliche Debatte. Den Eindruck, dass am Ende allein das wirtschaftlich mächtige Deutschland mit Triple-A-Status autoritär bestimmt, was gemacht wird, ist nicht hilfreich, wenn man nur Teil einer Wohngemeinschaft ist - auch wenn man das größte Zimmer bewohnt. Die Europäische Union muss sich demokratisch weiterentwickeln.
Es ist gut, dass Kroatien bald dabei ist. Unzählige Kroaten arbeiten in Deutschland, unzählige Deutsche machen Urlaub in Kroatien. Was jetzt wie ein Anfang von etwas ganz neuem klingt, ist in Wirklichkeit nur der Ausdruck dessen, was seit langem ist: europäische Gemeinsamkeit.
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