Kommentar

Versichertenkarten der Krankenkassen | Bildquelle: dpa

Kommentar zu Krankenkassenbeiträgen Es krankt am Systemumbau

Stand: 18.12.2015 17:22 Uhr

Die Ideen zur Verbesserung der Behandlungen in Hospiz und Krankenhäusern sind gut, aber teuer. Noch können die Kassen zahlen, doch die Rücklagen schmelzen. Und da Gesundheitsminister Gröhe das System nicht umbaut, wird der Zusatzbeitrag wohl weiter steigen.

Von Rebecca Lüer, SWR, ARD-Hauptstadtstudio

Mit der Gesundheit ist es so eine Sache. Solange man putzmunter ist, schimpft man über steigende Versicherungsbeiträge. Ist man dann krank, will man die bestmögliche Behandlung. Und die ist teuer. Schon seit Jahren sind die Ausgaben für Krankenhäuser, niedergelassene Ärzte und Arzneimittel immer etwas höher als die Einnahmen.

Ab 2015 kommen nun noch Milliarden Euro zusätzlich an Kosten hinzu. Denn Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat sich vorgenommen, Patienten und ihren Angehörigen Krankheit und Sterben etwas erträglicher zu machen. Deshalb wird die Hospiz- und Palliativversorgung für Schwerstkranke ausgebaut. Die Gesundheitsvorsorge von Eltern, Schülern und Arbeitnehmern soll mehr gefördert, die Behandlungsqualität in Krankenhäusern verbessert werden.

Über 18 Milliarden Euro mehr bis 2019

Alles an sich gute Ideen - aber wenn man dann noch die Reformen bei der Pflege mit dazurechnet, auch wenn die aus einem anderen Topf gezahlt werden, dann kommen manche zu der Diagnose: Gröhe ist vielleicht einer der teuersten Gesundheitsminister, den das Land je hatte. Das sagt zumindest das RWI, das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung. Die Krankenkassen gehen laut einem Bericht der Welt am Sonntag davon aus, dass sie und damit die Versicherten bis 2019 über 18 Milliarden Euro zusätzlich schultern müssen. Hinzu kommt: Auch die Honorare für niedergelassene Ärzte kosten die Kassen jährlich mehr Geld. Und bei den Arzneimitteln gehen die Kosten praktisch durch die Decke.

Kommentar: Teure Reformen lassen Gesundheitskosten steigen
R. Lüer, ARD Berlin
18.12.2015 17:21 Uhr

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Rücklagen schmelzen

Nun klingen bei den gesetzlichen Krankenkassen derzeit noch die Kassen, denn viele Menschen haben Arbeit und zahlen deshalb Versicherungsbeiträge. Aber: Die Rücklagen schmelzen dahin. Und bei allem Reformwillen geht Gröhe eine große Baustelle bislang nicht an: Das Gesundheitssystem so umzustrukturieren, dass das System auch noch die nächsten Jahrzehnte finanzierbar bleibt – auch in Zeiten, wenn wieder weniger Menschen Versicherungsbeiträge einzahlen. Sei es, weil die Arbeitslosigkeit steigt, oder weil die Bevölkerung immer älter wird - und damit natürlich auch mehr Menschen krank sein werden. Wenn es so weiterläuft wie bislang, dann bleibt es nicht bei der Zusatzbeitragserhöhung fürs kommende Jahr.

Auch im Bundestagswahljahr 2017 wird die Zusatzbeitrag ziemlich sicher weiter steigen. Dank der Union, die die Arbeitgeber schonen will, müssen die Arbeitnehmer den Zusatzbeitrag derzeit alleine schultern - die SPD will das ändern, die Opposition sowieso. Und da haben wir es schon: das erste schöne Wahlkampfthema.

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