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Von Sebastian Engelbrecht, ARD Hörfunkstudio Tel Aviv
Israel hat sich für einen Krieg gegen die Hamas entschieden, abermals für einen sinnlosen Krieg. Wie ein entfesselter Riese schlägt das israelische Militär jetzt zu. Die über Monate angestaute Aggression entlädt sich über dem Gazastreifen. Hunderte Menschen in Gaza sterben, hunderte werden verletzt. Verteidigungsminister Barak benannte seine Strategie mit dem einfachen Satz: "Unsere Absicht ist es, die Spielregeln total zu verändern." Mit anderen Worten: Die israelische Armee will dieses mal die militärische Substanz der Hamas zerstören, bis zur letzten Waffenschmiede, bis zur letzten Abschussbasis.
Der Zorn der Israelis und ihrer Regierung ist verständlich. Die jüngste Raketen-Offensive der Hamas und der mit ihr verbrüderten Gruppierungen war eine sinnlose und aussichtslose Provokation, ein hilfloser Kampf um die Ehre. Aber Baraks Strategie ist ebenso sinnlos und zum Scheitern verurteilt. Die israelische Luftwaffe zielt auf militärische Stützpunkte der Hamas. Wenn diese zerstört sind, werden die Palästinenser in Gaza ihren Krieg gegen Israel an anderen Orten fortsetzen: Sie werden in unterirdischen Werkstätten ihre Waffen produzieren und lagern, sie werden weiter ihre Raketen mitten aus den Dörfern, Städten und Flüchtlingslagern abschießen.
Die Hamas führt diesen Kassam-Raketen-Krieg gegen Israel seit sieben Jahren, und die hochtechnisierte israelische Luftwaffe hat in diesen sieben Jahren kein Rezept gegen die selbstgebastelten Raketen gefunden. In den Jahren 2002 bis 2005 waren im Gazastreifen noch israelische Bodentruppen stationiert. Auch ihnen gelang es nicht, die Kassam-Raketen der Hamas auszuschalten.
Selbst eine erneute Besetzung des Gazastreifens würde also keine Ruhe bringen. Der Kampf gegen die Raketen hat sich über sieben Jahre hinweg als aussichtslos erwiesen. Auch im zweiten Libanonkrieg versuchte die israelische Armee, mit der Brechstange gegen die schiitische Hibollah und ihre Raketen anzugehen. Es gelang ihr nicht. Der Beschuss hörte nicht auf, trotz systematischen Bombardements des Libanon.
Das Klima ist erfüllt von "Bedrohung und Gegenbedrohung, von Verfolgungshass und Rachewut", so beschreibt der Psychologe Horst Eberhard Richter diese und ähnliche Situationen. Und er schreibt weiter: "Die Pathologie liegt in der Furcht (davor), sich auf die positiven emotionalen Energien zu verlassen." Allein diese positiven Energien wären dazu imstande, das Klima aus Hass und Rache zu verändern.
Krieg ist keine Lösung. Nur das Gespräch wird Israel und die Hamas erlösen. Dazu brauchen die Kontrahenten einen Anstoß von außen. Der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter versuchte, eine diplomatische Brücke zu bauen, als er im Sommer den Hamas-Chef Chalid Maschaa in Damaskus besuchte und anschließend in Jerusalem Vertreter der israelischen Regierung traf. Carter tat das einzig richtige: Er brach das Tabu, das lautet: "Mit den Islamisten spricht man nicht." Von Barack Obama, dem künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten, ist ein ähnlicher Anstoß zum Gespräch zu erhoffen. Auch Obama besuchte Israel im Sommer. Später wurde bekannt, dass seine Berater sich während des Besuchs auch um Kontakt zur Hamas bemühten.
Obama wird den Nahost-Konflikt nicht allein lösen. Aber er könnte den Anstoß geben, damit Israel und die Hamas ihr sinnloses Blutvergießen endlich beenden.
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