Kommentar

VW-Chef Müller | Bildquelle: REUTERS

Konzernchef setzt auf mehr Bescheidenheit Müllers Kurs ist für VW alternativlos

Stand: 10.12.2015 20:19 Uhr

Tricksen und Täuschen gehörte zum Handwerk - das hat VW-Chef Müller eingestanden. Wochenlang war er in der Krise kaum zu sehen. Nun tauchte er endlich auf und verbreitete die Botschaft von der neuen Bescheidenheit. Ein Kurs ohne Alternative.

Von Thorsten Hapke, NDR

Der wichtigste Merksatz von Krisenkommunikation lautet: Im Sturm gehört der Kapitän auf die Brücke. Mannschaft und Passagiere sehen, wie er steuert. Er übernimmt die Verantwortung und gibt den Kurs vor.

In den zweieinhalb Monaten, die Volkswagen jetzt schon in der schwersten Krise seiner Geschichte steckt, war das anders. Von Matthias Müller sah die Öffentlichkeit, sahen Millionen Fahrer manipulierter Dieselfahrzeuge nichts. Jetzt immerhin ist Müller auf der Brücke aufgetaucht. Und er brachte ein wichtiges Eingeständnis mit. In Teilen von Volkswagen habe es eine Haltung gegeben, Regelverstöße zu tolerieren. Mit anderen Worten: Tricksen und Täuschen gehörte - mindestens teilweise - zum Handwerk.

Lange hieß es: "Nicht kleckern, sondern klotzen"

Die Ursache dafür hat Müller nicht benannt, aber sie liegt auf der Hand: Volkswagen sind die Erfolge der Vergangenheit zu Kopf gestiegen. Konzern und viele Mitarbeiter strahlten Arroganz aus. Der Beste der Branche zu sein, galt ihnen als Naturgesetz. Für die Unternehmensgewinne schien es keine Grenzen zu geben. "Nicht kleckern, sondern klotzen" war das Motto. Koste es, was es wolle. Zur Not wurden eben Gesetze gebrochen.

Jetzt ist der Kraftprotz Volkswagen auf Normalmaß geschrumpft. Die richtige Botschaft, mit der Kapitän Müller heute auf der Brücke auftauchte, lautet: Bescheidenheit ist der neue Unternehmenswert. Und damit ist nicht nur gemeint, dass der Firmen-Airbus verkauft wird.

Kommentar von Thorsten Hapke, NDR
tagesthemen 22:15 Uhr, 10.12.2015

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Neuer Kurs wird in der Umsetzung schwierig

Wer das Unternehmen Volkswagen kennt, weiß allerdings: Es wird schwierig für den Kapitän, das VW-Schiff auf diesen Kurs zu steuern. Bescheidenheit ist das letzte, was in Wolfsburg in den vergangenen Jahren gelebt wurde. Außerdem machte Müller in dieser Welt Karriere und führte mit Porsche eine Unternehmenstochter, die nicht gerade für Bescheidenheit steht.

Doch trotzdem: Es gibt zu diesem Kurs keine Alternative. Volkswagen muss jetzt ganz kleine Brötchen backen.

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